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Celle Stadt Hunger begeistert Publikum
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hunger begeistert Publikum
18:42 22.09.2013
Celle Stadt

Kein Zweifel – Sophie Hunger, Songwriterin, Komponistin und Sängerin in einer Person, gehört zu den profiliertesten Exporten, mit denen die Schweiz auf musikalischem Gebiet zur Zeit aufwarten kann. Die Grenzen ihres Heimatlandes hat sie längst gesprengt. Da steht sie jetzt im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage der Sparkassenstiftung auf der mit viel Nebel als Weichmacher gesofteten Bühne der Halle 16 in der CD-Kaserne und beginnt den Konzertabend ohne jede Vorbereitung mit einem leise gesungenen A-cappella-Lied auf Schwyzerdütsch. Schon hier wird klar: Sophie Hunger ist nicht nur gut – sie ist sehr gut, auch wenn sie in ihrem „kleinen Schwarzen“ fast ein wenig unscheinbar wirkt.

Trotzdem spürt man die ganz besondere Ausstrahlung ihrer Persönlichkeit und ihrer Musik zwischen Rock, Pop, Jazz und Folk. Ihre Musiker spielen neben Keyboard, Schlagzeug und Bass gleich mehrere Instrumente. Cello, Trompete, Klarinette, Glockenspiel und sogar das Flügelhorn sorgen für einen ganz speziellen, ungewöhnlichen Sound und Sophie Hunger selbst macht am Klavier, an der Gitarre, an der Mundharmonika und natürlich „am Gesang“ eine hervorragende Figur. Im Zentrum aller Musik aber steht ihre warme, nie angestrengt wirkende und manchmal mit melancholischen Einfärbungen versehene Stimme.

Melodiös ausschwingend und rhythmisch präzise singt sie auf Deutsch und Englisch, auf Französisch und auf Schweizerdeutsch. Laute, rockige Stücke setzt Sophie Hunger neben leise, balladenhafte Songs und sorgt so für musikalische Abwechslung. Den Saal bringt sie zum Beben und das Publikum zum Träumen. Und wenn man sich beim „Lied vor der Freiheitsstatue“ ganz ohne elektronische Verstärkung zum Gesangsquartett zusammenstellt, dann ist das geradezu atemberaubend.

Nahtlos und ohne Zwischentexte reiht Sophie Hunger so Song an Song und Lied an Lied. Ihre zweifellos hörenswerten Texte allerdings bleiben unverständlich und auch auf eine inhaltliche Hinführung verzichtet sie fast ausnahmslos. Auch die ausdrücklich angekündigte Auseinandersetzung mit dem Begriff „Freundschaft“ als Motto der Musiktage findet nicht statt. Schade, da hätte aus diesem Abend durchaus mehr werden können. So hat Sophie Hunger ihre Pflichten in Celle zwar erfüllt, aber sie hat es nicht geschafft, mit Herzlichkeit und Flexibilität die stets spürbare, innere Distanz zwischen Publikum und Bühne hinreichend zu überbrücken. Trotz des begeisterten Beifalls am Schluss.

Hartmut Jakubowsky

Von Hartmut Jakubowsky