Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Hyperion-Trio überzeugt mit Entdeckungslust und Hörgenuss
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hyperion-Trio überzeugt mit Entdeckungslust und Hörgenuss
15:38 15.11.2017
Quelle: David Borghoff
Celle

Celle. So wurde die Geschichte des Klaviertrios über fast ein Jahrhundert beleuchtet, ohne dass man dabei die ausgetretenen Pfade vieler anderer Veranstalter gegangen wäre. Im Gegenteil: Man hat es dem spürbar der Sache zugeneigten Publikum ermöglicht, Unbekanntes im Vergleich zu Bekanntem zu hören. So wurde der Abend nicht nur zu einem Hörgenuss sondern auch zu einem akustischen Abenteuererlebnis.

Sehr reizvoll geriet bereits der Einstieg in den Abend mit dem Trio des preußischen Prinzen. Gefällig wusste dieser mit seinem eher beschränkten Melodienschatz umzugehen, kombinierte brav nach Lehrbuchmanier die einzelnen Teile seines Stückes an einander, machte das aber immerhin so geschickt, dass man zwischenzeitlich immer wieder hätte denken können, dass diese oder jene Passage auch bei bekannteren Komponisten nicht viel anders klingen würde. Das Trio musizierte dieses Stück mit viel Geschick und Lust am Auskosten der vielfältigen Reize des Werkes. Vor allem Hagen Schwarzrock am Klavier wusste seinen Part sehr profiliert zu gestalten. Ja, genau so möchte man diese Musik noch einmal hören.

Noch interessanter wurde es bei Iwan Knorr, der sich eine schlichte Melodie aus Schumanns „Album für die Jugend“ genommen hat um darüber mit großem Einfallsreichtum Variationen zu schreiben, die ganz stark nach Brahms klangen, aber doch erstaunlich eigenständig wirkten und eben gerade nicht mit Brahms verwechselt werden können. Und jetzt agierten auch alle drei Musiker des Hyperion-Trios wirklich auf gleichem Niveau. Eine beeindruckende Begegnung mit einer noch nie gehörten Musik, die man am liebsten gleich noch einmal gehört hätte.

Die zweite Programmhälfte brachte dann das weit ausschwingende Schubert-Trio, in dem die Musiker zeigten, dass sie ein außerordentlich gutes Gespür für die Feinheiten dieser Musik haben. Da stimmten nicht nur die Tempi sondern auch die innere Haltung der Musiker, wodurch fast automatisch eine außerordentlich stimmige Wiedergabe resultierte. Da störte es auch nicht sehr, dass Cellistin Katharina Troe zwar wunderbar ihr Instrument zum Singen brachte, aber immer wieder zu leise agierte, der Geiger Oliver Kipp einen für Schubert arg spröden Ton hatte und dass der Pianist immer wieder so laut agierte, dass die Flächigkeit dieser Musik und ihr epischer Atem durch zuviel hörbare Dauerbewegung im Klavier gestört wurde. Trotz dieser Einwände: Ein außerordentlich gelungener Abend.

Von Reinald Hanke