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Celle Stadt IHK-Präsident in Celle: "Das Internet ist nicht der Genickbruch"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt IHK-Präsident in Celle: "Das Internet ist nicht der Genickbruch"
23:24 20.02.2015
Von Oliver Gatz
Erhofft sich Impulse für den Innenstadthandel: Olaf Kahle. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Kahle wirbt dafür, den Kunden ein Shoppingerlebnis zu vermitteln. „Der will nicht nur einkaufen. Das ist für ihn ein Event. Das muss Spaß machen.“ Als Beispiel für eine vielversprechende Kundenbindung nennt der IHK-Präsident die Idee eines Gifhorner Spielwarenhändlers. Dieser organisiert Abende, bei denen Männer hemmungslos mit Carrera-Bahn oder Modelleisenbahn spielen können. „Man muss andere Wege gehen“, betont Kahle. Dazu gehöre eine gute Beratung, persönlicher Kontakt und die Möglichkeit des Kunden, Ware vor Ort in Augenschein zu nehmen, anzufassen und vor dem Kauf zu prüfen.

„Das Thema Internet ist nicht der Genickbruch“, meint Kahle in Bezug auf die wachsende Konkurrenz durch Amazon und Co. Doch auch hier sieht er Chancen, etwa Online-Marktplätze lokaler Händler. So hat zum Beispiel die Stadt Wuppertal zusammen mit dem Internet-Start-up Atalanda den lokalen Marktplatz Online City Wuppertal ins Leben gerufen. Dort präsentieren inzwischen 47 lokale Händler vom Autoteile-Anbieter über den Süßwarenshop bis zum Modeladen fast 4000 Produkte. Der Clou des Angebots: Die Produkte werden auf Wunsch noch am selben Abend zugestellt.

Problematisch für die Entwicklung der Innenstädte sei auch die Tatsache, dass Leerstände für manche Immobilienbesitzer wirtschaftlich vorteilhaft seien. Laut kahle arbeitet das niedersächsische Sozialministerium an einem Gesetzentwurf, der hier gegensteuern soll. Ziel sei es, die Interessen der Eigentümer und der Kommunen unter einen Hut zu bringen. Denkbar seien etwa Auflagen zur Beteiligung der Eigentümer an der Sanierung von Straßen und Fassaden.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, hat die IHK im Rahmen der Initiative „Hierjetztmorgen“ bereits eine Reihe von Ideen entwickelt. Als Beispiel nennt Kahle ein Schulprojekt in Uelzen, bei dem junge Leute eng an die Wirtschaft gebunden werden, damit sie schneller eine Ausbildung beginnen und nicht ewig die Schulbank drücken. „Dieses Übergangssystem müssen wir beenden“, fordert Kahle. Dadurch stünden 8000 Auszubildende mehr zur Verfügung. „Eine Berufsvorbereitung könnten wir auch im Betrieb machen“, sagt der IHK-Präsident. Dazu sei kein Bildungsträger erforderlich.

Dass die Wirtschaft händeringend Fachkräfte sucht, habe sich mittlerweile unter den Jugendlichen herumgesprochen. „Die kriegen mit, dass um sie gebuhlt wird“, berichtet Kahle. „Deshalb müssen wir attraktive Ausbildungen anbieten und attraktive Arbeitgeber sein.“