Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Ibsens „Volksfeind“ feiert am 29. April im Schlosstheater Premiere
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ibsens „Volksfeind“ feiert am 29. April im Schlosstheater Premiere
17:30 21.04.2016
Celle Stadt

Das alles klingt nach einem aktuellen Umweltskandal der Gegenwart, ist aber dennoch über 130 Jahre alt und Stoff von Henrik Ibsens Drama „Ein Volksfeind“. Seine Uraufführung erlebte das Stück bereits 1883 in seinem Heimatland Norwegen. Damals löste es heftige politische Diskussionen aus. Am Freitag, 29. April, hat es Premiere im Schlosstheater.

„Das Stück ist fast wie ein Krimi“, sagt Regisseurin Nina Pichler, Schwester der am Schlosstheater engagierten Schauspielerin Eva-Maria Pichler. In Hamburg hat sie an der Theaterakademie Regie studiert und dort 2007 ihr Diplom gemacht. Seitdem arbeitet sie als freie Regisseurin und hat im vergangenen Jahr zur Weihnachtszeit in Celle bereits den „Räuber Hotzenplotz“ inszeniert.

An Ibsens „Volksfeind“ interessieren sie neben der Sprache vor allem auch die Wendepunkte der Geschichte und die Gründe für das Handeln der einzelnen Personen. „Es geht um Lüge, um Korruption und um einen Menschen, der Zusammenhänge und Missstände aufdecken will“, erläutert Nina Pichler, „da reizt es natürlich, die verschiedenen Beziehungen, Motivationen und Verflechtungen klar herauszuarbeiten.“ Darüber hinaus müsse man aufpassen, dass man die Figur des Dr. Stockmann, der in geradezu kindlicher Naivität an die Wahrheit glaubt und sich selbst viel eher als „Volksfreund“ denn als „Volksfeind“ sieht, in seiner Weltfremdheit nicht der Lächerlichkeit preisgibt. „Die Tragweite dessen, was er da entdeckt hat, ist ihm zunächst nämlich gar nicht bewusst.“

Zur Klarheit des Geschehens habe man eine überarbeitete Textfassung der Schaubühne Berlin von vor vier Jahren gewählt, die nicht zuletzt auch in der prägnanten Wortwahl und in der Verkürzung des Textes eine Anpassung an die Gegenwart enthalte. Dadurch würde die Aktualität des Stoffes weitaus deutlicher. „Wir wollen erreichen, dass man als Zuschauer Zeitgenossen zuschaut und nicht auf eine Epoche blickt. Man muss erkennen, wer die Fäden in der Hand hat“, ergänzt Chefdramaturg Ralph Blase. Es ginge grundsätzlich um menschliches Verhalten und darum, wie es durch Medien gelenkt werde. Dazu habe man als Bühnenbild einen abstrakten, schnell veränderbaren Raum gewählt. „Dadurch wird die Sprache stärker in den Vordergrund gestellt“, sagt Nina Pichler. Schwieriger als die Darstellung blieben die Dinge, die nicht gesagt werden, aber „einfach im Raum stehen“. Da müsse man „immer wieder neu gucken“, ob es etwas zu verändern gäbe. Zeit genug ist ja noch.

Von Hartmut Jakubowsky