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Celle Stadt Ideen aus Celle für Nachnutzung: Forschungszentrum oder Wohngebiet?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ideen aus Celle für Nachnutzung: Forschungszentrum oder Wohngebiet?
19:19 07.08.2017
Von Dagny Siebke
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Rückenstärkung aus Berlin: Maria Flachsbarth, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, besichtigte am Montag die Versuchsställe des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) in Celle. "Wir sind stolz auf unsere Ressortforschung. Dank der Arbeit des Instituts für Tierschutz und Tierhaltung (ITT) können wir fundiert entscheiden. Die Mitarbeiter sind in der wissenschaftlichen Community eine wichtige Stimme."

Flachsbarth ging bei ihrem Besuch auch auf das Konzept zur Neuorganisation des FLI ein. So sollen am Ortsrand von Neustadt am Rübenberge, in Mecklenhorst, Forschungseinrichtungen konzentriert werden, die bislang auf drei Standorte verteilt sind: Das ITT aus Celle soll dort mit dem Institut für Nutztiergenetik (Mariensee) sowie dem Institut für Tierernährung aus Braunschweig zusammengeführt werden. Ziel sei es, dass die Mitarbeiter künftig "kürzere Wege zueinander haben", so die Staatssekretärin.

"Auf der grünen Wiese können wir dort unser tierexperimentelles Zentrum ohne Kompromisse bauen", betonte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter. Insgesamt werden dort 72 Millionen Euro investiert. Die unterschiedlichen Institute können dann gemeinsam Geflügel, Wiederkäuer und Schweine erforschen. Aufgrund der Nähe zum Wohngebiet sind in Celle nur Versuche mit Kleintieren möglich.

Die 66 Mitarbeiter des ITT in Celle sollen ihre Arbeitsplätze behalten, sagte Mettenleiter. Insgesamt müsse das FLI zwar 20 Stellen abbauen, doch dies betreffe nicht die Mitarbeiter aus Celle. Denn in den vergangenen Jahren seien im ITT sogar fünf weitere Stellen geschaffen worden. Bis zum Jahresende wolle man Personalgespräche führen, um Lösungen zu finden. Er betonte: "Wir wollen keine Expertise verlieren." So würden wahrscheinlich alle Wissenschaftler mitumziehen. Einige technische Mitarbeiter hätten persönliche Pläne.

Man habe die Verlagerung "ganz gut im Griff", erzählte der FLI-Präsident. In der Vergangenheit mussten Mitarbeiter anderer Standorte schon Umzüge über 250 oder gar 1000 Kilometer stemmen. Im Vergleich dazu sei ein rund 60 Kilometer Anfahrtsweg unproblematischer.

Zur Nachnutzung brachte der CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte erneut die Idee ins Spiel, dort einen Ableger eines europäischen Tierschutzzentrums anzusiedeln – wenn Deutschland dabei die Federführung übernehmen darf. Doch noch ist fraglich, ob die 28 Mitgliedsstaaten sich darauf einigen können.

Celles Bürgermeister Heiko Gevers (CDU) kann sich vorstellen, das neun Hektar große Grundstück zum Wohngebiet zu machen. "Es gibt erheblichen Bedarf an Häusern. Die Stadt wird damit etwas Vernünftiges anfangen können“, betonte Gevers.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Maximilian Schmidt will sich für die Stärkung des Forschungsstandortes Celle einsetzen. Dazu habe er sich am Montag bereits an die niedersächsische Wissenschaftsministerin gewandt, um weitere Gespräche zu führen.