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Celle Stadt Im Celler Rat geht's um die Wurst
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Im Celler Rat geht's um die Wurst
18:40 06.03.2018
Von Michael Ende
Dass einige Celler Kinder an ihren Schulen keine Bratwurst bekommen, hält die AfD für ein Unding. Quelle: Daniel Karmann
Celle Stadt

Sie will durchsetzten, dass es wieder an allen Schulen und Kitas Schweinefleisch gibt. Die anderen politischen Fraktionen mahnen zur Ruhe und sagen, dass man Debatten über den Verzicht auf Speck und Schinken nicht für latent fremdenfeindliche Aktionen missbrauchen solle.

Die Celler AfD-Stadtratsfraktion reagiert auf die Mitteilung der Stadtverwaltung, der zu Folge alle städtischen Kitas aus organisatorischen Gründen weitestgehend auf das Angebot von Schweinefleischprodukten verzichteten. Drei Grundschulen, die GS Altstadt, die GS Nadelberg und die GS Waldweg, hätten bei der Mittagsverpflegung kein Schweinefleisch im Angebot. Der Verzicht wird unter anderem mit dem hohen Anteil muslimischer Kinder begründet.

„Wie konnte so etwas passieren? Die gesellschaftliche Mehrheit passt sich an die Regeln der Minderheiten an", sagt der AfD-Fraktionsvorsitzende Anatoli Trenkenschu: "Könnte man sich so etwas umgekehrt in einem der muslimischen Länder, zum Beispiel in der Türkei, vorstellen? Das wäre doch unmöglich.“ Der Schutz der Minderheiten dürfe nicht dazu führen, dass eine Mehrheit "aus falsch verstandener Toleranz" in ihrer freien Entscheidung "überstimmt" werde, so Trenkenschu, dessen Fraktion fordert, dass Schweinefleisch in Kitas und Schulen erhalten bleiben oder wieder angeboten werden solle.

FDP-Fraktionsvorsitzender Joachim Falkenhagen lehnt eine Politisierung des Schulessens ab: "Dass sich Parteipolitik jetzt in die Essensgestaltung einmischt, ist neu. Wir werden uns hieran jedenfalls nicht beteiligen. Wichtig ist, dass alle Kinder satt werden und ein gesundes Essen zu sich nehmen können. Wer dieses angebotene Essen nicht möchte, kann seinen Kindern ein eigenes Essen mitgeben.“

"Der AfD-Vorstoß ist meines Erachtens überflüssig wie ein Kropf und zielt nur auf die Diskriminierung der Menschen, die Schweinefleisch in ihrer Kost meiden oder gar ablehnen. Verzicht auf Schweinefleisch bedeutet nicht gleichzeitig Moslem zu sein, denn als aufgeklärte, sich gut informierende Bürgerin verzichte ich beispielsweise aus gesundheitsrelevanten, emissions-, ethischen und tierschutzrechtlichen Gründen auf Schweinefleisch", so Inga Marks (SPD), die gerne Wildschwein isst.

CDU-Fraktionschef Heiko Gevers sagt, dass die "deutsche Volksseele" nicht "empört aufquieken" müsse. Die AfD versuche, "auf dem Rücken des armen Schweines einen Kulturkampf zu führen. Die deutsche Leitkultur und die Werte des christlichen Abendlandes lassen sich nicht an Schinkenspeck und Schnitzeln festmachen. Wer sich selbstbewusst zu unserer Kultur und unseren Werten bekennt, wer keine Angst vor anderen Kulturen hat, weiß genau: Den angekündigten Antrag der AfD braucht kein Schwein."

Die AfD vermisse etwas, was an den Schulen nicht vermisst werde, so Grünen-Fraktionsspitze Bernd Zobel: "Wer vermisst die AfD?" "Die AfD versucht bundesweit am Thema Schweinefleisch einen Kulturkampf zu eröffnen", sagt Behiye Uca (Linke). Für Dirk Gerlach (Die Partei) ist es "hochgradig peinlich" – "der Begriff fremdschämen kommt einen da in den Sinn" – dass sich der Stadtrat "mit solchen Absurditäten herumschlagen" müsse.

Kommentar: Sauerei

Nein, man könnte sich wirklich schwerlich vorstellen, dass Schulen in der Türkei eigens für christliche Kinder Nürnberger Rostbratwürstchen auf den Speiseplan setzen. Da hat die AfD schon recht. Nur: Wer möchte sich denn mit der Türkei vergleichen und sich auf eine Stufe mit einem Staat stellen, der seine laizistischen Wurzeln vergessen hat und Minderheiten schikaniert? Wir? Ja wohl nicht. Die AfD? Sie tut es.

Celle ist nicht die Türkei – zum Glück. Ein Christ, Muslim oder Jude könnte sogar sagen: „Gott sei Dank.“ Hier nimmt man Rücksicht auch auf Bräuche von Minderheiten. Das ist nicht nur sehr praktisch für die schweinefleischfreien Schulen und ihre Schüler, sondern auch mehr als bloß eine nette Geste: Es ist Teil eines Bekenntnisses, das sich genau gegen die platten, toxischen Parolen wendet, mit denen die AfD operiert.

Na klar: Schweinefleisch ist eine leckere Sache – besonders dann, wenn es aus artgerechter Haltung oder noch besser aus dem heimischen Wald kommt. Wer will, kann seinen Kindern zu Hause jeden Tag Speck und Schinken servieren. Doch den Schweinefleisch-Verzehr sollte man nicht zur Glaubensfrage hochstilisieren, wie es die AfD versucht, die – um im Duktus zu bleiben – eine fremdenfeindliche Sau durchs Dorf treibt.

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