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Celle Stadt Im Celler Wahlkampf werden Facebook und Co. immer wichtiger
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Im Celler Wahlkampf werden Facebook und Co. immer wichtiger
18:49 08.09.2017
Von Audrey-Lynn Struck
Social Media-Plattform Facebook Quelle: Tobias Hase
Celle

Pling. Meldet sich das Handy zu Wort. Was tun? Natürlich nach besten Kräften ignorieren und weiter auf die Arbeit konzentrieren. Pling. Schon wieder. Das Handy wird aus der Jacke geholt. Der Bildschirm leuchtet auf und verkündet, dass CDU-Bundestagskandidat Henning Otte gerade auf dem Meißendorfer Heideblütenfest ist, während seine SPD-Konkurrentin Kirsten Lühmann zu einer Info-Veranstaltung ins Waldbad Hohne einlädt.

Hatte sich früher noch der Wahlkampf vorwiegend vor der Haustür, in Form von Wahlplakaten oder im Fernsehen abgespielt, so gibt es mittlerweile ein weiteres Instrument, um als Politiker die Werbetrommel anzukurbeln: Social Media. "Viele internetaffine Menschen beziehen ihre Informationen heute größtenteils aus dem Internet", erklärt Lühmann. Daher entschied sie sich vor fast drei Jahren für eine eigene Seite auf Facebook, um Veranstaltungen leichter ankündigen und die eigene Arbeit besser dokumentieren zu können.

Auch Otte präsentiert sich seit fast einem halben Jahr auf einer eigenen Facebook-Seite. Mit über 4000 Abonnenten ist er auf Facebook der erfolgreichste der sieben Celler Bundestagskandidaten. "Social Media ist gut und wichtig, weil es das politische Interesse steigert und für viele eine große Informationsquelle ist", sagt der 48-Jährige. Dennoch sei diese Entwicklung nicht nur positiv zu bewerten. Denn im Netz sei es nicht immer leicht, zwischen gut recherchierter Arbeit und Inhalten ohne Substanz zu unterscheiden.

Sowohl Otte als auch Lühmann bedienen ihre Facebook-Seite selbst und posten nahezu jeden Tag mindestens einen Beitrag. Bei Otte ist von seinen Besuchen bei Veranstaltungen über Forderungen nach mehr Rechtsstaatlichkeit und dem Kampf gegen politischen Extremismus bis hin zu einem Foto mit seiner Mutter alles dabei.

Auffällig ist, dass sich der CDU-Politiker sehr privat zeigt. "Heu ist eingebracht und unsere Pferde sind bestens versorgt für das nächste Jahr. Allen Landwirten wünsche ich eine gute Ernte", postete er Anfang August. Darunter sah man ihn einen Ballen vom Anhänger heben. "Mir ist es besonders wichtig zu zeigen, dass es nicht 'die Politiker' gibt, sondern dass jeder Bundestagsabgeordnete auch ein Mensch ist", sagt Otte.

SPD-Frontfrau Lühmann gibt auf Facebook hingegen mehr Einblicke in ihren Arbeitsalltag als Politikerin. Doch nicht nur das: "Heute war ich in Berlin, um das Gewinnerteam des Rap-Wettbewerbs Wort drauf RSPKT PRJKT im Bundestag willkommen zu heißen", schrieb sie Mitte August. Außerdem postet sie über Themen, die sie persönlich beschäftigen, wie den Dieselskandal oder Opfer im Irak. Ihre Devise ist: "Ich bin vor Ort, also sprecht mich an."

Neben Facebook haben Lühmann und Otte auch eigene Websites, die von ihren Mitarbeitern koordiniert und von ihnen selbst mit Beiträgen bestückt werden. Ganz im Gegensatz zu anderen Bundestagskandidaten in Celle, von denen kaum einer eine eigene Homepage hat.

Insgesamt ist bei den Celler Bundestagskandidaten in Sachen Social Media noch Luft nach oben. Heiko Wundram (Grüne), Paul Stern (Linke) und Philip Siebold (Freie Wähler) setzen gar nicht auf Facebook und haben dort keine eigene Seite. Anders sieht es bei Anja Schulz (FDP) aus. Sie zeigt sich beim Plakatieren oder vor ihrem Wahlstand im Gespräch mit Bürgern. Doch mit ihren 194 Abonnenten liegt auch sie weit hinter den Kandidaten der CDU und SPD zurück. Mit 591 Likes hat Thomas Ehrhorn (AfD) einen Facebook-Auftritt und liegt damit auf dem dritten Platz der Celler Kandidaten. Doch sein letzter Post, eine Aktualisierung von seinem Profilbild, ist vom 1. Mai. Ein aktiver Facebook-Wahlkampf sieht anders aus.

Allerdings gibt es in der Social-Media-Welt ja auch noch andere Kanäle. Aber niemand der sieben Celler, die am 24. September in den Bundestag einziehen wollen, ist bei Instagram oder Pinterest aktiv. Auch die Massen-Plattform Twitter wird bei den Kandidaten eher stiefmütterlich behandelt. Nur der Grüne Wundram baut explizit auf das 140-Zeichen-Medium. Er ist dort schon seit fast acht Jahren aktiv. Seitdem hat er mehr als 10.400 Tweets abgesetzt. Gestern reagierte er auf ein anzügliches AfD-Plakat: "Deutsche Traditionen: Alkohol, Sexismus, Brezeln. Definitiv nicht meine."