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Celle Stadt „Im Zeichen der Lyra“: Joja Wendt begeistert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Im Zeichen der Lyra“: Joja Wendt begeistert
13:11 02.12.2011
Joja Wendt in Congress Union Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

Die zugrunde liegende Story war zwar nicht immer ganz schlüssig, bot aber eine treffliche Spielwiese für Wendts virtuose Reise durch verschiedene Stile und Epochen der Klavierliteratur: Das Klavier wird aus der von der Orgel dominierten Familie der Instrumente geworfen, weil es zu viel improvisiert. Ein gefundenes Fressen für den Tastenakrobaten, der „Mutter der Instrumente“ den „musikalischen Kampf“ anzusagen.

Von Griegs „Peer-Gynt-Suite“ bis zu Mozarts „Königin der Nacht“, vom swingenden Boogie Woogie bis zum feurigen Csárdás und Brahms’ „Ungarischem Tanz Nr. 5“ bediente er sich ausgiebig bei populären Klassikern, die er jedoch in seiner ganz speziellen Art arrangiert hatte. Immer wieder wechselte er unvermittelt die Tonart oder ließ eine kleine Jazzimprovisation einfließen. Er spielte mit den Händen über Kreuz, im Sitzen und im Stehen, auf Klavier und Flügel gleichzeitig und zeitweise „im Duell“ mit Florentin Chiran (Violine), der ihm an Spielwitz und Virtuosität nicht nachstand. Bei ihren fingerakrobatischen Interpretationen von Chatschaturjans „Säbeltanz“, Montis „Csárdás“ und Rimsky-Korsakows „Hummelflug“ blieben keine Wünsche offen.

Durch eine auf die Hände des Pianisten gerichtete Kamera konnte ihm das faszinierte Publikum auf einer Leinwand quasi über die Schulter schauen und sein mitreißendes Spiel verfolgen. Atemberaubend, mit welcher Geschwindigkeit Wendts Finger über die Tasten flogen, unglaublich, mit welcher Leichtigkeit und Präzision er spielte. Niemals wirkte der Hamburger Pianist verkrampft. Im Gegenteil, er sprühte vor Spielfreude, hatte stets ein Lächeln auf den Lippen und ließ seine ungezügelte Leidenschaft für die Musik spüren. Wenn er in seine Moderation nur nicht immer dieses selbstverliebte Gehabe und Getue einfließen lassen würde. Als wenn er seinem Publikum nicht zutrauen würde, seine Ausnahmequalitäten als Pianist auch ohne diesen zur Schau gestellten Narzißmus zu erkennen.

Von Rolf-Dieter Diehl