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Celle Stadt Immobilienpreise im Celler Land: "Best-Ager" zahlen am besten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Immobilienpreise im Celler Land: "Best-Ager" zahlen am besten
21:43 18.09.2017
Von Audrey-Lynn Struck
Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Hinzu kommt die Angst vor Altersarmut. Statt auf Aktien oder Gold setzen immer mehr Menschen auf die Wertanlage Haus, sagen Experten.

Zusätzlich verleiten die sehr niedrigen Zinsen dazu, jetzt zu kaufen, anstatt noch mehrere Jahre im Mietshaus zu leben und zu sparen. "Vor etwa neun Jahren lag der reine Zinssatz noch bei sechs Prozent", erzählt Hasan Alin, Makler des Celler Immobilienunternehmens Wilharm. Mittlerweile bekäme ein normaler Angestellter bereits für 10 bis 15 Jahre einen Zinssatz unter zwei Prozent. "Das sind sehr lukrative Zeiten", so Alin. Sei es für Familien, die ein Eigenheim kaufen, oder für Investoren, die Mietwohnungen erwerben.

Die Nachfrage nach Immobilien ist mittlerweile so groß, dass das Angebot nicht mehr ausreicht. "Wenn wir genug Objekte auf dem Markt hätten, könnten wir jeden Tag ein Haus verkaufen. Die Nachfrage ist riesig", sagt der 40-jährige Alin. Das beschränkte Angebot hat ansteigende Kosten zur Folge. Allein der Preis für neue Eigentumswohnungen im Stadtgebiet Celle stieg im vergangenen Jahr um vier Prozent. Der Quadratmeterpreis fängt ab etwa 2220 Euro an und geht bis 3800 Euro, heißt es im aktuellen Immobilien-Preisspiegel der Bausparkasse der Sparkassen (LBS).

Vor allem in der Celler Innenstadt werden die Wohnungs- sowie die Ladenmiete immer teurer. "Dort ziehen viele 'Best-Ager' hin, die berufstätig sind und die Nähe zum Arbeitsplatz suchen", sagt der Wilharm-Immobilienmakler. "Best-Ager" – das sind die Premium-Kunden über 40 Jahre. Sie mieten gerne und sind oft auch bereit, mehr zu zahlen.

Auch im Celler Umland steigt die Nachfrage. "Wir verkaufen oft Mehrfamilienhäuser zu einem sehr guten Kaufpreis", sagt die Remax-Immobilienmaklerin Annelie Isensee. Kaum gebe es ein neues Angebot auf dem Markt, sei oft auch schon null Komma nichts ein Käufer gefunden. Ganz beliebt sind Orte wie Wathlingen, die zwischen Celle und Hannover liegen. Weniger Anklang finde der Nordkreis.

Der Trend geht zum Kaufen einer gepflegten Immobilie in guter Lage zur Weitervermietung, so Isensee. Selbst wenn es sich um das neue Eigenheim handelt und auf die neuen Besitzer mit ihrem Haus noch einiges an Sanierungsarbeit zukommt, zögern viele nicht. Sie kaufen. "Eigentlich gibt es für jeden Typ Immobilie, der auf den Markt kommt, auch Interessenten, und am Ende wird ein Käufer gefunden", sagt Isensee. Laut LBS hat sich in der Stadt Celle der Wert von Eigenheimen im vergangenen Jahr um sechs Prozent erhöht und liegt nun im Durchschnitt bei 175.000 Euro.

Aber nicht jeder kann sich die zum Teil horrenden Preise leisten. Auch im Landkreis Celle gibt es laut einer Untersuchung des hannoverschen Pestel-Instituts eine "Verlierer-Generation". Insbesondere die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener den Traum vom Eigenheim erfüllen. In den vergangenen zwölf Jahren ging deren Eigentumsquote um 9,6 Prozent zurück.

Im Deutschland-Vergleich zählt der Landkreis Celle trotzdem immer noch zu den preiswerteren Regionen. Die teuersten Städte bleiben Metropolen wie München oder Hamburg mit Kaufpreisen von bis zu 5000 Euro pro Quadratmeter. Dort verschlingen die Wohnkosten fast ein Drittel des Nettoeinkommen eines durchschnittlichen Bewohners, heißt es in einer Studie des Onlineportals Immobilienscout24.