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Celle Stadt In Celler Zirkus-AG fürs Leben lernen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt In Celler Zirkus-AG fürs Leben lernen
19:10 24.02.2015
Einmal in der Woche trainieren die Schüler der fünften Klasse in der Zirkus-AG der IGS Celle ihr Geschick.  Quelle: Alex Sorokin
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In der Turnhalle der IGS Celle verteilt liegen so allerlei Sportsachen und Requisiten: Einräder, Gymnastikbälle, Keulen und Tücher zum Jonglieren. Rund 15 Kinder üben in kleinen Gruppen. Lenya peitscht mit einem Seil und zwei Handstöcken das Diabolo an. Sie lässt es sogar um ihr Bein herumsausen. "Mach noch mehr Tempo", sagt Ulrich Siegmann zu ihr. Der Leiter vom Zirkus Knalltüte, einem Kinder- und Jugendprojekt der Stadt Celle, gibt den Fünftklässlern nicht nur Tipps, er macht ihnen auch ein paar Kunststücke vor. "Versuch doch mal das Trampolin", sagt er und zieht für diese Figur sein Seil ganz straff. Nun springt das Diabolo von alleine ganz hoch, und das gleich mehrmals.

Zum zweiten Mal ist die freiwillige Arbeitsgemeinschaft an diesem Nachmittag zusammengekommen. Einmal in der Woche trainieren die 20 Schüler mit den Kulturschaffenden und zwei Lehrern. Das Projekt wird die nächsten zweieinhalb Jahre mit einer Anschubfinanzierung von 10.500 Euro gefördert, damit Kinder unabhängig vom Geldbeutel Spaß an Kunst und Kultur haben. Fächerübergreifend können die Kinder von externen Experten lernen, was die Zirkusdisziplinen zu bieten haben. "Im Zirkus lernt man für das Leben", sagt Siegmann. Die Kinder sollen Rücksicht aufeinander nehmen und sich gegenseitig Sicherheit geben.

Canan und Alisa machen das auf der Matte vor. Sie rufen Trainerin Katharina Marx zu sich: "Wir wollen dir was zeigen." Die beiden führen eine Doppelrolle vor. Ein Mädchen steht dabei, eines liegt und streckt die Beine nach oben. Dann fassen sich beide an die Knöchel und rollen sich gemeinsam nach vorne. Marx sagt, die AG solle vor allem Spaß machen. "Bei uns im Zirkus geht es lockerer zu als beim Turnen." Hier können schüchterne Kinder aus sich herauskommen und stolz auf sich sein, denn es stellen sich oft sofort Erfolgserlebnisse ein.

Am Ende des Schuljahres werde es eine erste Zirkusaufführung geben, erzählt Sebastian Zeblewski von der Schulleitung. Nach den Sommerferien soll das Projekt als Werkstatt im Wahlpflichtunterricht angeboten werden. Dann werden auch Präsentation, Rhetorik und Komik geprobt. Es werden speziell ausgebildete Pädagogen dazukommen, denn das Clownsein ist nicht ganz einfach. "Wir wollen die Persönlichkeit stärken und die Schüler frühzeitig dazu bringen, vor 150 Leuten zu sprechen." Gerade Schüler, bei denen es im Rechnen und Lesen nicht so gut klappt, können in der Zirkus-AG ihr Geschick zeigen. "Die Kinder sollen sich trauen", sagt Zeblewski.

Der Lehrer für Naturwissenschaften und Deutsch greift selbst zu den Bällen und probiert sich erstmals im Jonglieren. In Kaskadenform wirft er drei Stück in die Luft. "Ich darf nicht aus dem Rhythmus kommen", sagt Zeblewski. Trainer Siegmann gibt Tipps, wie es auch mit vier oder fünf Bällen klappt: "Hauptsache, es funktioniert im Gehirn. Denn Messungen haben ergeben, dass Musik und Zirkusübungen auch die grauen Zellen trainieren."

Von Dagny Rößler