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Celle Stadt In Töne gefasste Leidenschaft im Celler Künstlerverein
Celle Aus der Stadt Celle Stadt In Töne gefasste Leidenschaft im Celler Künstlerverein
12:51 19.06.2017
Das Duo (von links) Joanna Kamernarska und Irina Georgieva gab im Beckmannsaal Celle ein Konzert. Quelle: David Borghoff
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Eingeladen hatte der Celler Künstlerverein, dessen ambitionierte inhaltliche Konzertplanung seit Jahren einen angenehmen Kontrapunkt zu den Standardprogrammen anderer Veranstalter bildet. Es spielte ein Duo aus Hamburg: Joanna Kamenarska an der Violine und Irina Georgieva am Flügel. Sie überzeugten bei allen Stücken außer beim Hindemith. Für dessen Sonate mit ihrer klaren inneren Struktur haben die beiden Bulgarinnen den gleichen intuitiven Gestaltungswillen eingebracht wie bei den anderen Stücken. Das passte aber nicht recht. So verschenkten sie bei aller Ausdrucksdichte hier eine Menge.

Dafür gerieten die anderen Stücke umso besser. Ja man konnte rückhaltlos genießen, wie souverän und gestaltungsstark diese Stücke gelangen und wie viel Lokalkolorit diese in verschiedenen ost- und südosteuropäischen Ländern beheimateten Musikstücke herüberbringen können zum Zuhörer, wenn denn die Interpreten gut genug sind. Das waren sie. Hier war zu erleben, wie viel es ausmachen kann, wenn man als Musikerin mit dem, was man spielt, elementar verwurzelt ist, weil die Musik von einem volksmusikalischen Tonfall geprägt ist, der einem selbst nahe liegt. Die Musik von Josef Suk (Tschechien bzw. Österreich-Ungarn), Pantcho Vladiguerov (Bulgarien) und Karol Szymanowski (Polen) schien den bulgarischen Künstlerinnen geradezu im Blut zu liegen obwohl Szymanowskis Stück hörbar viel Spanisches in sich trug. Aber auch dazu schienen die beiden gut, aber noch nicht perfekt auf einander abgestimmten Musikerinnen einen direkten Draht zu haben. Auch Ravels „Tzigane“-Fantasie in ihrer Mischung aus französischer Grundhaltung und südosteuropäischer Volksmusikmelodik und Rhythmik geriet bestens, vielleicht vergleichsweise schwerblütig und innerlich brodelnd, aber in sich sehr schlüssig. An diesem Abend klangen alle diese Virtuosenstücke wie in Töne gefasste Leidenschaft, deren Wirkung sich niemand entziehen konnte.

Von Reinald Hanke