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Celle Stadt In Westercelle geht Ära zu Ende
Celle Aus der Stadt Celle Stadt In Westercelle geht Ära zu Ende
19:07 23.07.2018
Von Dagny Siebke
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

"Für das Kinderturnen stand hier nach dem Krieg die einzige Halle in Westercelle", erzählt Hans Meller, der damals die Volksschule besuchte. "Im großen Saal fand auch regelmäßig Kasperletheater statt. Wenn der Kasper Prügel bekam, rollten in der ersten Reihe gleich die Tränen."

Bevor Westercelle 1973 in die Stadt Celle eingemeindet wurde, war das Alte Schützenhaus Treffpunkt der Dorfjugend. Meller sagt: "Wer konnte, kam mit dem Moped vorgefahren. Die Zünder Falconette war mein ganzer Stolz." Schließlich hatte er als Lehrling das Kraftrad von seinem ersten Gehalt abgestottert.

Bis der große Saal während der 1970er Jahre niederbrannte, feierten die Westerceller dort ihr Schützenfest. Hans Meller erinnert sich: "Auf dem Platz vor dem Alten Schützenhaus stand das Kettenkarussell und gegenüber der Maibaum, an dem die Kinder hochgeklettert sind." Vor zwei Jahren noch kam seine Klasse nach 60 Jahren Schulabschluss in der Gaststätte zusammen. Da wurden Anekdoten erzählt, "an die ich mich gar nicht mehr erinnern kann", so der 76-Jährige . Auch zahlreiche Hochzeiten und runde Geburtstage wurden im Alten Schützenhaus gefeiert. Nach Beerdigungen kehrten Trauergesellschaften zum Kaffeetrinken ein.

Am ersten Tag der Abrissarbeiten steht der Bagger einige Minuten still. Jörg Klemm und sein fünfjähriger Sohn Kalle beobachten das Geschehen ganz genau. Der Vater sagt: "Es sieht so aus, als ob nichts passieren würde. Doch die Mitarbeiter des Abrissunternehmens sortieren das Holz und Dämmwolle aus." Dann setzt der Bagger wieder an und macht den Boden des ersten Geschosses kaputt. Ein Bauarbeiter spritzt mit Wasser, damit es weniger staubt.

Familie Klemm hat sich den letzten Flohmarkt im Alten Schützenhaus nicht entgehen lassen. "Ich wollte gerne eine Bowlingkugel kaufen, am liebsten sogar die ganze Maschine", erzählt Kalle. Doch für das größte Erinnerungsstück war zu Hause leider nicht genug Platz.

Wie viel Arbeit in der Renovierung eines Fachwerkhauses steckt, weiß Jörg Klemm aus eigener Erfahrung. Seiner Meinung nach sehen die Gebäudereste ziemlich morsch aus: "Eine Sanierung hätte sich bestimmt nicht mehr gelohnt. Die Besitzer hätten nicht gewusst, wo sie anfangen sollen." Die Nachbarn sind gespannt, was der Besitzer nun vorhat. "Wer weiß, was da für ein Klotz hinkommt", so Klemm.

Der neue Hausbesitzer Stefan Günther sagt, dass auf der Fläche des Alten Schützenhauses "eine Mischung aus Gewerbe und Wohnungen" entstehen soll. "Meine Versicherungsagentur möchte ich an dem Standort eines Tages auch gerne eröffnen", kündigt der AXA-Versicherungskaufmann an. "Meine Architekten und ich sind mit der Stadt Celle immer noch in der Phase einer Bauvoranfrage." Er gehe davon aus, dass das Grundstück mindestens ein Jahr brachliegen werde. Doch das Stichwort "Gastronomie" stehe auf seinem Wunschzettel ganz oben. "Schließlich möchte ich meine Versicherungskunden gerne verwöhnen können."

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