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Celle Stadt In der Celler Rettungsleitstelle immer den Überblick behalten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt In der Celler Rettungsleitstelle immer den Überblick behalten
19:46 10.02.2015
In der Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle bespricht sich Martin Kuchinke (hinten) mit Christoph Buchmüller. Bei akuten Erkrankungen, Unfällen mit Verletzten und Feuer ist immer - die 112 zu wählen. Krankentransporte sind unter ☏ (05141) 911911 abzustimmen. Quelle: Benjamin Westhoff
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Disponent Christoph Buchmüller sitzt vor fünf Monitoren. Geht in der Rettungsleitstelle ein Anruf ein, leuchtet die Lampe über seinem Funktisch – was rund 200 Mal am Tag vorkommt. „Sprechen Sie bitte langsamer, ich kann Sie kaum verstehen“, sagt er zu der Dame am Telefon. „Welche Hausnummer meinen Sie denn?“, hakt er nach. „Sie kriegen schlecht Luft, das höre ich.“ Immer wieder versucht er, sie zu beruhigen. Ganz behutsam geht er mit ihr die fünf „Ws“ durch: Wo ist was passiert? Wie viele Betroffene gibt es und welche Art von Verletzungen haben sie? Das letzte W steht für Warten auf Rückfragen.

„Manchen Anrufern geht das nicht schnell genug“, erzählt Martin Kuchinke. Er ist der kommissarische Leiter der Rettungsleitstelle des Landkreises Celle. Doch die beiden Kollegen, die tagsüber oder in der Nacht Dienst schieben, haben das Gespür für die Situation aus jahrelanger Erfahrung im Rettungsdienst und bei der freiwilligen Feuerwehr. Nebenher hat Buchmüller die wichtigsten Informationen eingetippt und so bereits einige Einsatzkräfte auf den fünf Rettungswachen im Landkreis alarmiert. Die Unfalladresse läuft sogar automatisch in das Navigationsgerät des Rettungswagens ein. Rund 45 Mal am Tag rücken sie aus, wenn Leib und Leben in Gefahr sind.

Buchmüller muss auch ein Ohr dafür haben, woran der zweite Kollege gerade arbeitet – um sogenannte Großschadenslagen früh genug zu erkennen. Ist es morgens glatt auf den Straßen, stauen sich in der Notaufnahme die Besucher und eben auch die Anrufe in der Leitzentrale. Sind die zwei Leitungen belegt, ertönt beim Anrufer eine Stimme auf Band mit der Bitte zu warten. Buchmüller sieht auf dem Bildschirm, in welcher Reihenfolge sie angerufen haben. Geschehen viele Unfälle, zum Beispiel zum Stadtfest und zu Silvester, besetzen bis zu vier Kollegen die Leitstelle rund um die Uhr.

Nach etwa 30 Sekunden wissen die Disponenten meist, was zu tun ist und ob ein Krankentransport, der Rettungsdienst oder die Feuerwehr gebraucht wird. Den nächsten Anruf leitet Buchmüller direkt an die Polizei weiter. Kuchinke sagt: „Es ist erschreckend, wie viele die richtige Nummer nicht kennen.“ Mitunter erkundigen sich Anrufer unter 112 nach Altkleidercontainern. Neben dieser Notrufnummer für Rettungsdienst und Feuerwehr gibt es noch die Telefonnummer (05141) 911911. Über diese können Krankentransporte koordiniert werden.

Beim nächsten Anruf winkt Buchmüller ab: „Das ist ein Taschenanruf.“ Im Hintergrund hört er Kinder kreischen. „Ich spreche nur mit einer Jeanshose.“ Etwa 100 Anrufe solcher Art erreichen die Leitstelle Tag für Tag. Auch ein paar Stammanrufer haben die Kollegen. Jedes Mal fühlen diese sensibel nach, ob und welche Hilfe wirklich gebraucht wird.

Von Dagny Rößler