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Celle Stadt Ina Müller rockt Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ina Müller rockt Celle
12:24 30.03.2012
Von Andreas Babel
Ina M¸ller: Konzert in Congress Union Celle Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

So muss ein Konzert sein: Ina Müller ist keine abgehobene Diva – auch wenn ihre Kleidung an diesem Donnerstagabend so aussieht. Sie ist immer noch die plattdeutsch sprechende Norddeutsche, die vom Dorf in die Stadt gezogen ist, um die Herzen der Deutschen zu erobern. Das Geheimnis der Sängerin ist eigentlich keines: Sie verstellt sich nicht, sondern nimmt ihre Mitmenschen ernst, viel ernster als sich selbst.

Ihre rauchige, soulige Stimme kommt erst nach den ersten drei Liedern im ausverkauften Saal der Congress Union Celle in Fahrt. Acht Kameras des NDR fangen jede Bewegung auf der Bühne ein. 1500 Menschen stehen ihr zu Füßen. Sie erobert sie im Sturm. Hinzu kommen die erstklassigen Musiker ihrer Band, allen voran die beiden Gitarristen. Ihre Soli quittiert das Publikum mit ebenso frenetischem Beifall wie die Lieder der Müller.

Mehr als die Hälfte des pausenlosen Konzerts stakst die 46-Jährige auf ihren extrem hochhackigen „Sitzschuhen“ über die Bühne, lässt sich von einem Bühnenmitarbeiter zweimal auf den Flügel schieben. Von hier oben bietet sie einige Lieder feil. Zum Ende des mitreißenden Auftritts entledigt sie sich ihrer die Füße quälenden Schuhe. Jetzt wirbelt sie über die Bretter, schwingt sich aus eigener Kraft auf den Flügel und tanzt zu „Oh happy day“.

Was Ina Müller von nahezu allen Kollegen unterscheidet, ist ihr komödiantisches Talent.Sie sabbelt, wie ihr der Mund gewachsen ist, überrascht ihre Bandmitglieder, den Kameramann Donat und den Sicherheitsmann Lutz, in dem sie diesen einfach mal das Mikrophon unter den Mund hält und sie zu deren Lebenssituation befragt.

Über sich selbst verrät sie auch eine ganze Menge. Sie sei frisch verliebt. Sie isst gerne und regelmäßig, sogar Nudeln. Sie werde „gleichmäßig“ fett und sei über Nacht gealtert. Jeden Morgen wache sie auf und entdecke ein neues Zipperlein an einer anderen Stelle. „Das ist ganz schön spannend, den Wanderschmerz zu verfolgen.“

Sie sei keinesfalls technologiefeindlich. „Ich brauche die neuen Technologien einfach nicht.“ Ihre Mutter sei ihr Facebook. Sie halte sie über die Entwicklungen ihrer ehemaligen Freunde vom Dorf auf dem Laufenden. Vor einem halben Jahr habe sie ein i-Pad geschenkt bekommen. Das liege noch verpackt unterm Sofa. Dennoch guckt sie auch mal gerne nach im weltweiten Netz und ist überrascht, wer es wagt, sie da anzustupsen. Wenn man sich in den vergangenen 20 Jahren so verändert habe wie ihr Schulfreund Torsten, dann solle man sie lieber nicht anstupsen, meint Ina Müller. Das Konzert wurde vom NDR aufgezeichnet. Wann es ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest. Auch soll es eine DVD davon geben.