Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Informationen und Blumen zum Frauentag in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Informationen und Blumen zum Frauentag in Celle
20:30 08.03.2015
Informationen zum Frauentag (von links): - Gleichstellungsbeauftragte Rosemarie Lüters, - Evelyn Erhardt-Hamann und Eva Maria Huck von Verdi.  Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Nach gut zwei Stunden gingen Eva-Maria Huck von Verdi Celle am Samstag die Flyer aus. Einfach zu viele Frauen haben sich zum Thema Minijobs erkundigt. „Gerade im Handel und in der Altenpflege gibt es Frauen, die nicht richtig bezahlt werden“, erklärt Huck. „Sie sind arm trotz Arbeit.“ Meistens bekommen Frauen nur Teilzeitverträge. „Es werden lieber drei Teilzeitstellen für eine Vollzeitstelle geschaffen. Wer da nicht mitmacht, bekommt gar keine Arbeit.“ Das sei auch nicht kompatibel mit den Möglichkeiten an Kinderbetreuung. Huck betont: „Wer schon jetzt wenig verdient, bekommt später auch noch weniger Rente. Das endet auch in der Altersarmut.“

Nicht nur die Gewerkschaft informierte an Ständen in der Celler Innenstadt über die Lage der Frauen vor Ort und in der Welt. Auch Verbände, Parteien und weitere Institutionen des Celler Frauenforums machten im Vorfeld des gestrigen Internationalen Frauentages auf sich aufmerksam und verteilten Blumen. Bei den Grünen ging es um die Frauenquote, bei der Frauenunion um die Mütterrente und bei der SPD um die Beschlüsse der vierten UN-Weltfrauenkonferenz, die vor 20 Jahren in Peking statt fand.

Auch beim Frauenring waren die Handzettel schnell vergriffen. Luksiya Agirman berichtete vom Tandem-Projekt, bei dem sich Deutsche und Ezidinnen intensiv über ihre Kultur austauschten und zeigte ein Fotoalbum. „In Celle sind wir oft Nachbarn, aber man kennt sich nicht“, sagt Agirman. Auch nach den zwei Jahren Laufzeit verbringen die beteiligten Familien viel Zeit miteinander. „Mein Wunsch ist es, dass wir uns bei Stammtischen wiedersehen und noch mehr Leute dazukommen“, erzählt Agirman.

Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Celle und seiner Beratungsstelle waren ebenfalls vor Ort. Leiterin Natalia Rusyniak betont: „Schön, dass wir bei den Frauenrechten Fortschritte machen, aber beim Thema Gewalt an Frauen treten wir auf der Stelle.“ Viele wissen nicht, was das Frauenhaus anbietet. Es sei immer zu 120 Prozent belegt. Sogar aus anderen Städten fragen Frauen bei Rusyniak nach Hilfe. 2014 wurden 74 Frauen und 31 Kinder aufgenommen. 90 Prozent gingen nicht zurück zu ihren Männern.

Am Nachmittag referierte die ehemalige niedersächsische Sozialministerin Heidrun Merk im Mehrgenerationenhaus über die Situation der Frauen in der „autonomen Region Kurdistan im Irak“.

Von Dagny Rößler