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Celle Stadt Informative Unterhaltung in Celle: Dem Mythos Wolf auf der Spur
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Informative Unterhaltung in Celle: Dem Mythos Wolf auf der Spur
18:55 16.10.2017
Unterhaltsame Gedankengänge per Prosa, Lyrik und Gesang: „Wolf“ Oliver Törner und „Lamm“ Eva Engelbach in Kunst & Bühne. Quelle: Oliver Knoblich
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Celle. „Frisch gerissen“ hat dieser Wolf auf zwei Beinen lediglich verbale Statements zu seiner „Person“, die er Zeitungen, Büchern oder Magazinen entreißt – das ist sein Hobby. Ein Fundus zahlreicher Zuordnungen, Unterstellungen und Ammenmärchen ist so zusammengekommen. Die können dem stolzen, starken, wiedererstandenen (heimlichen) König deutscher Wälder eigentlich nur ein spöttisches Knurren entlocken – aber fuchsen tut´s ihn doch, dass er immer wieder so schlecht wegkommt im Epischen wie im Realen.

Eva Engelbach und Oliver Törner haben sich zusammengetan, um im Rundumschlag und aus verquerer Perspektive dem Mythos Wolf auf mancherlei Ebene zu Leibe – und dabei Manches grade zu rücken. In ihrem Programm teilen sie per Prosa, Lyrik und Gesang ihre Gedankengänge mit dem Publikum. Unterhaltend ist es natürlich auch, wie ihr jüngster Auftritt in Celle beweist.

Noch ist Wolfgang ein einsamer Wolf, „bin noch nicht sesshaft, hab noch kein Revier abgesteckt und kein Rudel gegründet…“. Dass er trotzdem auf Schritt und Tritt beobachtet und ausgekundschaftet wird, ist ihm nicht entgangen. Schließlich sieht, hört und riecht er weit besser als diese überhebliche Menschenbrut. Vom Peilsender, den sie ihm verpasst haben, weiß er – ebenso, wie er weiß, wie er das Ding hin und wieder loswerden kann – „für persönliche Freiräume“. Überhaupt hat er die menschliche Natur mindestens so genau studiert, wie sie ihn – und wie gesagt, er ist belesen.

Das „Rotkäppchen“ aus der Grimmschen Sammlung steht ganz oben auf seiner „Zettelsammlung“. Gleich hat er wieder schlechte Laune. „Ist doch idiotisch zu glauben, ich bekäme so einen menschlichen Brocken von mindestens 40 Kilogramm in einem Happs herunter.“ Zwischen Naturkundlichem und Mythologie flechten Wolf und Lamm einen amüsant-informativen neuen Zopf. „Es ist völlig grotesk, wild übertrieben und schlimm unterstellt, was die Menschen uns angedichtet haben. Wir wurden schon immer schlecht gemacht, wo es nur ging“.

Zum Beweis folgen Zitate und Rezitationen aus zahlreichen Werken, unter anderem von Äsop, von Jack London und auch von Martin Luther. „Immerhin, die Indianer verehrten den Wolf – wegen seiner Stärke, seinem Familiensinn und seiner Klugheit“ – davon wäre doch einiges sinniger zu übernehmen. Das Publikum spendete, belehrt und gut unterhalten, zum Schluss ausgiebig Beifall.

Von Doris Hennies