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Celle Stadt Ingo Appelt schont nichts und niemanden
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ingo Appelt schont nichts und niemanden
16:04 22.11.2010
Da bleibt kein Auge trocken: Ingo Appelt attackiert die Lachmuskeln des Publikums. Quelle: Timo Kastern
Celle Stadt

Wie hat er sich gewandelt, der Ingo Appelt. Bekannt geworden durch den schmerzfreien Umgang mit dem bösen „F-Wort“ hat sich der Pionier und das Enfant Terrible der deutschen Comedy-Szene aus dem Ruhrpott zu einem der vielseitigsten Komiker der Gegenwart entwickelt. Vor Jahren noch war Ingo Appelt der „böse Bube“, der schon mal Kinderpuppen über die Bühne kickte und dafür viel Kritik einstecken musste, „Randgruppen-Comedy“ hat er zwar immer noch im Repertoire, aber heute in wesentlich gemäßigterer Form. Mittlerweile sitzt auch er auf dem großen Dauerthema „Mann & Frau“.

Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen offenbart uns Ingo Appelt in seinem aktuellem Programm, was wir Männer sind: eine zivilisatorische Katastrophe die geschlagen gehört. Einst der König der Menschheit, ist der Mann heute ein testosterongesteuertes Sicherheitsrisiko in Person, ein blöder Dreckskerl eben. Verkommen zum Sitzpinkler und Geburtenbeiwohner, muss der Mann nun erst einmal ein Resozialisierungs-Programm über sich ergehen lassen. Und wer könnte es besser durchführen als Appelt, der sich als Helfer für die Majestäten anbietet: den Frauen!

Appelt brachte am Sonnabend dem Celler Publikum in der ausverkauften CD-Kaserne über zwei Stunden Licht in die Dunkelheit des Zusammenlebens und spielte dabei erfrischend mit Komik und Kabarett, mit Imitation und Improvisation, mit Parodie und Publikum. Dabei hält er wohl den Rekord für die höchste Pointen-Dichte in Deutschland, kein anderer Komiker feuert ein derartiges Stakkato an Witzen ab, wie er. Ist der erste teil seiner Show noch zum „Aufwärmen“ geeignet, bleibt im zweiten Teil kein Auge mehr trocken. Erst einmal warmgeredet, folgt eine Lachmuskelattacke auf die nächste. Ob Beziehungen, Emanzipation, Politik, Ossis, Wessis oder andere Nachbarn – Ingo Appelt verschont nichts und niemanden, nicht einmal die Kirche.

Dabei schafft er es in seiner Lausbuben-Art, nicht nur die Männer ordentlich einzuseifen, sondern auf subtile Art natürlich auch die weiblichen Wesen vorzüglich vorzuführen, ohne dass man es ihm auch nur ansatzweise übel nehmen könnte.

Das Publikum war am Ende nicht nur restlos begeistert, sondern schlichtweg auch ein Stück weit erschöpft, ausgelaugt und wird wohl die nächsten Tage noch an Zwerchfell-Muskelkater zu leiden haben.

Von Timo Kastern