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Celle Stadt Inklusion: Celler Kreis-CDU plant Resolution für Erhalt der Förderschulen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Inklusion: Celler Kreis-CDU plant Resolution für Erhalt der Förderschulen
18:08 28.02.2014
Von Simon Ziegler
Behinderte und nichtbehinderte Kinder lernen gemeinsam in einer Klasse: was sich gut anhört, sorgt in der Praxis für viele Probleme. Quelle: Uli Deck
Celle Stadt

Sie ist Lehrerin an einer Förderschule in Celle. Ihren Namen will sie nicht in der Zeitung lesen, denn an der Inklusion lässt sie kein gutes Haar. Jedenfalls an der Form von Inklusion, wie sie seit gut einem halben Jahr an den Celler Schulen Realität ist. Schüler mit Handicap würden nicht ausreichend in der neuen Umgebung betreut, sagt die Frau, Förderschullehrer hätten viel zu wenig Stunden. Das ganze System sei „nicht effektiv“, auch die Aufgabenbeschreibung der Förderschullehrer, die in allgemeinbildenden Schulen für die Unterstützung der inklusiven Schüler sorgen, sei viel zu schwammig.

Mit ihrer Kritik steht sie nicht allein da. Immer lauter werden die Stimmen, die auf die Schwächen des gemeinsamen Unterrichtes von behinderten und nichtbehinderten Schülern verweisen. Charles M. Sievers, FDP-Kreistagsmitglied und Oberschullehrer in Lachendorf, kann Äußerungen von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD), wonach die inklusive Schule in Niedersachsen erfolgreich gestartet sei, nicht nachvollziehen. „Die Betreuungssituation ist bei weitem nicht zur vollen Zufriedenheit der Schüler und Lehrer geregelt. Es fehlen qualifizierte Lehrer vorne und hinten“, sagt er. An den Schulen seien keine Sonderpädagogen, sondern Schulbegleiter eingesetzt. Auch für ihn ist klar, dass es viel zu wenig Förderstunden für die Kinder mit Unterstützungsbedarf gibt.

Inzwischen hat das Thema die Kreispolitik erreicht. Vor der Kreistagssitzung am Dienstag hat die CDU-Fraktion eine Resolution eingereicht. Damit setzen sich die Christdemokraten für den Erhalt der Förderschulen ein und fordern die Landesregierung auf, von der ab dem Schuljahr 2015/16 schrittweise geplanten Schließung der Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen sowie der Förderschule mit dem Schwerpunkt Sprache abzusehen. Im Landkreis Celle sind das die Erich-Kästner-Schule Garßen, die Astrid-Lindgren-Schule Winsen, die Pestalozzischule Celle, die Käthe-Kollwitz-Schule Bergen, die Janusz-Korczak-Schule Wathlingen und die Sprachheilschule Celle.

Denn die Förderschulen leisteten nachweislich gute Arbeit, so die CDU. Die Kinder werden in kleinen Klassen von speziell ausgebildeten Förderschulkräften mit bis zu sechs Stunden am Tag an fünf Tagen in der Woche beschult. Dass Kinder mit Unterstützungsbedarf an Förderschulen möglicherweise besser betreut wurden als an allgemeinbildenden Schulen, sehen inzwischen auch manche Eltern so. Es soll Kinder und Jugendliche geben, die nach einem halben Jahr Inklusion an ihre alte Schule zurückgewechselt sind. „Ich weiß von Eltern, die ihr Kind an der allgemeinbildenden Schule abgemeldet haben, weil Inklusion nicht funktioniert“, sagt die Lehrerin einer Celler Förderschule.

Das Schulamt des Landkreises Celle hat keine Zahlen, ob und wie viele Schüler an ihre alten Förderschulen zurückgehen. „Ich habe keine Kenntnis darüber, ich kann es aber auch nicht ausschließen“, sagte Schulamtsleiter Reinhard Toboll.

Unklar war gestern, ob sich der Kreistag am Dienstag, 4. März, ab 14.30 Uhr im Kreistagssaal mit der vorgeschlagenen Resolution befassen wird. Landkreis-Sprecher Holger Harms sagte, dass das CDU-Papier nicht auf der Tagesordnung stehe. Die Antragsteller haben aber die Möglichkeit, die Resolution per Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung zu setzen. Doch unabhängig davon wäre die Resolution nicht mehr als ein Signal: Denn wie es mit der Inklusion und den Förderschulen weitergeht, wird in Hannover entschieden. Simon Ziegler