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Celle Stadt Inklusion: In Celle fehlen Förderschullehrer
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Inklusion: In Celle fehlen Förderschullehrer
19:26 18.02.2015
Von Gunther Meinrenken
Quelle: dpa
Celle Stadt

Die auch für den Bereich Celle zuständige Landesschulbehörde in Lüneburg ist nicht gerade dafür bekannt, Missstände an den Bildungseinrichtungen anzuprangern. Und schon gar nicht öffentlich. Umso tiefer lässt es daher blicken, wenn ein Vertreter dieser Behörde klare Worte findet, so wie Peter Reinert. Er hat in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Schulangelegenheiten, Soziales und Integration am Dienstagabend, 17. Februar, den "Sachstand" zur Inklusiven Schule vorgetragen und dabei auch mit Kritik nicht gespart.

"Es gibt noch eine Menge Diskussions- und Regelbedarf", begann Reinert seine Ausführungen im Celle-Saal des Neuen Rathauses. Die inklusive Beschulung ist nun ins zweite Jahr gegangen, viele Probleme sind allerdings noch immer nicht abgestellt oder verbessert worden. Größtes Problem: Die Versorgung mit zusätzlichen pädagogischen Mitarbeitern an den Schulen.

Reinert nannte ein Beispiel: So hätten Kinder aus dem Förderbereich Geistige Entwicklung eigentlich einen Anspruch auf fünf Stunden zusätzliche Betreuung in der Woche. Doch dazu käme es in der Regel nicht, weil es nicht die entsprechenden Mitarbeiter gebe. Allenfalls würden vier Stunden erreicht "Die Schulen haben Anträge gestellt. Ich habe sie weitergegeben, aber keine Antwort erhalten", so Reinert. Es gebe an den Förderschulen in diesem Bereich keine Überkapazitäten für die Bereitstellung zusätzlicher Lehrkräfte.

Darüber hinaus gebe es noch ein gravierendes allgemeines Problem. "Wir haben nicht genug Förderschullehrkräfte. Das ist zu kritisieren", sagte Reinert, der im Bereich Lüneburg 40 Stellen hätte besetzen können, aber nur 20 ausgeschrieben habe, da es eh nicht mehr Bewerber gegeben habe. "Es wird schon an den Universitäten nicht genügend Nachwuchs ausgebildet", so der Vertreter der Landesschulbehörde.

Nach den Ausführungen von Reinert seien derzeit an den 72 Klassen der Celler Grundschulen in den ersten und zweiten Schuljahren 57 Kinder mit Unterstützungsbedarf. Die Ausstattung mit Förderschullehrern im Bereich Lernen, dessen Förderschulen ja auslaufen, klappe ganz gut. Eine große Unruhe seitens der Eltern sei nicht an ihn herangetragen worden. "Es läuft ruhiger, als ich vermutet hätte", meinte Reinert.

Im Ausschuss zog man aus Reinerts Vortrag die Schlussfolgerung, "dass das ganze Programm zur Inklusion gescheitert ist und es den Kindern nicht dient", wie es Hannelore Fudeus (CDU) formulierte. Ihr Parteifreund Klaus Didschies forderte die Landesregierung auf, "Gas rauszunehmen". Und auch Tim Übermuth (CDU) verstand nicht, warum nicht ein breites Angebot an Förderschulen neben den Regelschulen bestehen bleibe.

Den Schlusspunkt setzte die Vertreterin der Rektorenkonferenz, Ellen Brutschke: "Gemessen an dem, was wir leisten müssten, sind die Bedingungen katastrophal, aber es gibt auch viele positive Beispiele. Das Personal arbeitet am Limit, die Förderschullehrer sind nur unterwegs", sagte Brutschke.