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Celle Stadt Inszenierte Festtagsfreude
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Inszenierte Festtagsfreude
09:11 14.12.2011
REVUE: "Ivushka" in der Union Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

„Ivushka“, die populäre russische Weihnachtsrevue, war am Sonntag zu Gast in Celle und verströmte einen nostalgisch-prachtvollen, geradezu märchenhaften Zauber aus einer Welt, die so weit entrückt scheint und doch zur Weihnachtszeit immer wieder so nah ist.

In farbenfreudigen, ständig wechselnden traditionellen Kostümen, die den Originaltrachten verschiedener russischer Provinzen der Zarenzeit nachempfunden waren, gestaltete das rund 40-köpfige Ensemble von der Sergej-Rachmaninow-Musikhochschule der zentralrussischen Stadt Tambow in einer atemberaubenden Choreografie immer wieder neue Bilder voller Lebensfreude, die mit traumhaft schöner folkloristischer Live-Musik von Balalaikas, Domras und Bandoneons untermalt wurde.

Allein mit den Mitteln von Tanz und stimmungsvollem Gesang stellten die Akteure typische Bräuche und ländliche Szenen rund um „Väterchen Frost“ und dessen Enkelin „Snegurotschka“ (Schneeflöckchen) dar. Mit wirbelnden Pirouetten, rasanten Schrittfolgen und artistischen Sprüngen versetzten die zwischen Stepptanz, Kasatchok und Linedance wie auf Schlittschuhen über das Parkett schwebenden Tänzerinnen und Tänzer die rund 320 Zuschauer immer wieder in ungläubiges Staunen. Und in Begeisterung. Denn bei entsprechendem Szenenapplaus wurde die Schlusssequenz der jeweiligen Tanzeinlage unverzüglich wiederholt. Das alles geschah mit einer fast schon unheimlichen, harter Probenarbeit abgetrotzten Leichtigkeit. Jedes Tanzdetail fügte sich perfekt in den unaufhörlich vibrierenden Folklore-Teppich. Und jede Szene kam so enthusiastisch rüber, als wäre sie schon das große Finale.

Väterchen Frost und Snegurotschka kamen während der gigantischen Show leider nur zu einer kurzen Stippvisite auf die Bühne und ließen sich dann erst wieder beim weihnachtlich-winterlichen Finale sehen, als künstlicher Schnee auf die fröhliche Menge herabrieselte und eine vergnügliche Schneeballschlacht auslöste. Da wirkte der unvermittelt eingebundene, aber ungemein sinnlich und gefühlvoll in deutscher Sprache vorgetragene Weihnachts-Klassiker „Stille Nacht“ fast wie eine andächtige Kirchenkantate auf einem Volksfest. Und doch – oder gerade deshalb – fügte es sich wunderschön ein in dieses temperamentvolle, emotionsgeladene Feuerwerk aus lustvoller Ausgelassenheit und gelebter Festtagsfreude. Einfach fantastisch.

Von Rolf-Dieter Diehl