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Celle Stadt Intensiver Kammermusikabend: Beseelt und spannungsgeladen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Intensiver Kammermusikabend: Beseelt und spannungsgeladen
11:01 19.02.2010
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Für die Geigerin Isabella Faust ist Musik immer auch ein Prozess des Gebens und Nehmens, bei dem das Zuhören ebenso wichtig ist wie das Einbringen der eigenen Persönlichkeit. Eine Maxime offensichtlich, der sie auch die Sonaten für Violine und Klavier von Beethoven, Mendelssohn-Bartholdy und Brahms restlos unterordnet. Zur Seite steht ihr dabei mit Alexander Melnikov ein hochsensibler Künstler, der als einer der besten russischen Pianisten in seiner Generation gilt. Wohl kaum jemals hat man in Celle ein Duo erlebt, das in seiner musikalischen Auffassung, in seinem Musikverständnis und in seiner gemeinsam empfundenen Durchdringung des Gesamtwerkes dynamisch und musikalisch so sensibel aufeinander eingehen kann, dass selbst kleinste Verzierungen und Temporückungen Teil einer in sich schlüssigen, spannungsgeladenen Dramaturgie werden. Dabei drängt sich Melnikovs brillante Klavierkunst nie in den Vordergrund, sondern findet ihre Ergänzung, aber auch ihren Widerpart in der gefühlsintensiven geigerischen Gestaltungskraft von Isabelle Faust. Ein wunderbares Hörerlebnis und wohl auch ein seltener Glücksfall.

Kaum glaublich, mit welchem angenehm leisen, leichten und dennoch ausdrucksvollen und beseelten Ton Isabella Faust die Sonate Es-Dur op.12 Nr.3 von Ludwig van Beethoven auskostet, ihre Kantabilität zum Blühen bringt und sie in nahezu blinder Übereinstimmung mit Alexander Melnikov auch in den feinsten Nuancen gestaltet. Fast schwerelos und exakt in den Verzierungen gab sich der Mittelsatz in Beethovens G-Dur-Sonate op. 30.Nr. 3 und beinahe wie ein Perpetuum mobile, aber mit viel Sinn für feinste dynamische Schattierungen, wirkte dagegen das Finale. Gefühlvoll alternierend spielten die beiden Interpreten Mendelssohn-Bartholdys Sonate f-Moll op.4 – weder sentimental allzu aufgeladen, noch allzu belanglos oder gar gleichgültig. So wurde auch die Brahms-Sonate d-Moll op. 108 zu einer gelungenen Mischung aus energischer Kraft und emotionaler Tiefe, ohne an Eindringlichkeit oder klanglicher Transparenz einzubüßen. Ein Kammermusikabend wie man ihn sich intensiver kaum wünschen kann.

Von Hartmut Jakubowsky