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Celle Stadt Internettrend Biernominierung mittlerweile auch in Celle weit verbreitet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Internettrend Biernominierung mittlerweile auch in Celle weit verbreitet
18:00 12.02.2014
Von Christoph Zimmer
Bei der Biernominierung exen junge Menschen vor der Kamera einen halben Liter Bier und bestimmen drei Freunde, es ihnen nachzumachen. Wie der virale Kettenbrief eine positive Wendung erfahren kann, beweisen die Handballerinnen des SVG Celle. Der Tabellenführer der 2. Liga grüßte nach dem Sieg in Mainz vom Platz an der Sonne – mit einer Caprisonne. Quelle: Arno Burgi / Privat
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„Danke für die Nominierung. Das ist aber auch eine coole Aktion“, sagt der junge Mann aus Celle in dem Internetvideo und trinkt einen halben Liter Bier auf ex. Anschließend bestimmt er via Facebook drei Freunde, die es ihm innerhalb von 24 Stunden nachmachen sollen. So nominiert er die nächsten Trinker. Die sogenannte Biernominierung, ein internationaler Internettrend, ist ein viraler Kettenbrief – und auch in Celle bei jungen Menschen ziemlich weit verbreitet.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Ein nominierter Teilnehmer bestimmt drei Freunde, die drei Freunde nominieren, die drei Freunde nominieren. Und so weiter. Ein harmloses Trinkspiel? Leider nicht. Das sieht auch Wolfram Beins so. „Das ist ein hochproblematischer Internettrend“, sagt der Leiter der Psychosozialen Beratungsstelle in Celle, „in dieser Form ist das eine Unkultur sozialer Medien.“ Der neue Internettrend schade nicht nur dem eigenen Ruf. „Wenn man sich später bewirbt, kann das nachhaltige Folgen haben“, sagt Beins. Einerseits. Andererseits würden sich junge Menschen in gefährliche Situationen bringen.

Wie in den englischsprachigen Ländern, wo die Biernominierung ihren Ursprung hat, drehen auch hierzulande die jungen Menschen immer krassere Videos und trinken immer härtere Getränke. Es gab bereits die ersten Toten bei dem Trinkspiel. „Sie unterschätzen die Gefahren des Alkohols und den Druck der sozialen Medien“, sagt Beins und meint: die jungen Menschen wollen dazugehören und nicht als Langweiler gelten. Durch ein Trinkspiel wie die Biernominierung werde der unkritische Alkoholkonsum gefördert. „Dabei wächst die Verlockung, auf andere Alkoholika umzusteigen und sich immer weiter zu steigern.“ Beins fordert vielmehr, frühzeitig auf die Gefahren von Trinkspielen hinzuweisen.

Aber es gibt auch Möglichkeiten, sich der Biernominierung zu verweigern und trotzdem dabei zu sein. Es gibt Spendenaufrufe und andere Challenges, um die Verweigerung klug umzulenken. Wie das geht, haben auch die Handballerinnen des SVG Celle nach dem Auswärtssieg des Tabellenführers am vergangenen Wochenende in der 2. Bundesliga beim FSV Mainz 05 vorgemacht. Nach ihrer Nominierung grüßten sie in die Kamera: „Schöne Grüße vom Platz an der Sonne – mit einer Caprisonne.“

Und forderten die Konkurrenz aus Dortmund und Rosengarten und die Handballer aus Altencelle auf, die Nominierung wie sie auf eine kreative Art und Weise umzusetzen. Sie wollen als gutes Beispiel vorangehen und sich bewusst dem bedenklichen Internettrend wiedersetzen. „Man muss keinen Alkohol haben, um Spaß zu haben und dazuzugehören“, sagt Mannschaftsführerin Jolanda Robben, „es ist doch viel schöner, anders kreativ zu sein.“ Und dabei nicht zu Schaden zu kommen.