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Celle Stadt Interview: Gunter Gabriel kommt am 15. März nach Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Interview: Gunter Gabriel kommt am 15. März nach Celle
17:56 04.03.2015
Heinrich Doc Wolf und Gunter Gabriel treten zusammen in der CD-Kaserne auf. Quelle: Brokmann, Jörg
Celle Stadt

Gunter Gabriel und sein Freund Heinrich Doc Wolf kommen am Sonntag, 15. März, 20 Uhr in die Celler CD-Kaserne. Als „Storytellers“ werden sie viel mit ihren Liedern zu erzählen haben. Zwischen den oft auch weniger bekannten Songs werden sie Anekdoten aus ihrem viel bewegten Leben streuen. „Wir haben oft vor den Konzerten oder danach zusammengesessen und uns Sachen erzählt“, sagt Doc Wolf. Dabei sei eine besondere Atmosphäre entstanden, welche die Musiker an das Publikum weitergeben wollen. Im Vorverkauf sind die Karten für 18,90 Euro im CZ-Kundencenter oder in der CD-Kaserne erhältlich.

Wer sind für Sie die größten Storytellers?

In Deutschland ist es Reinhard Mey. Der liefert die besten Songs in der Tradition des französischen Chansons. Von Elvis habe ich alle Platten. Genauso wie von Johnny Cash. Von ihm haben ich mit 13, 14 Jahren alles gelernt. Das war mein Vorbild bei englischer und amerikanischer Musik.

Was macht einen guten Song aus?

Ich bin ja Songwriter und kein Schlagersänger. Johnny Cash hat mal gesagt, „ein guter Countrysong braucht drei Harmonien und eine Wahrheit.“ Ich frage mich zum Beispiel, wo bei Helene Fischers Hit „Atemlos“ die Wahrheit ist. Ich habe der Autorin des Liedes mal gesagt, dass etwas mit der zweiten Zeile nicht stimmt, weil sich die keiner merken kann. Sie müsste eigentlich lauten: „bis das Bett zusammenkracht.“ Wenn man sich öfter zusammenraufen würde, würden bessere Songideen entstehen.

In welchen Songs steckt eine bessere Geschichte?

Von Songwriter Kenny Rogers gibt es den Hit „You Picked a Fine Time to Leave Me, Lucille“. Darin schäkert eine Frau, die gerade ihren Mann verlassen hat, an der Bar mit einem anderen Mann. Was für eine tragische Geschichte. Bei den deutschen Liedermachern gibt es das Aufwachlied von Jürgen von der Lippe „Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon wieder da?“ Da weiß man morgens genau, was gemeint ist. Das ganze Leben ist voller Tragik.

Sie sprechen da von Ihrem eigenen Leben?

Meine Mutter ist gestorben als ich vier war. Ich habe ein Leben lang nach ihr gesucht. 1985 habe ich mit 10 Millionen Mark in der Kreide gestanden. Geld bedeutet mir nicht viel, sonst hätte ich mir längst die Kugel gegeben. Mir geht es mehr um Glückseligkeit. Meine Fans haben die Songs am liebsten, in denen viel Authentizität steckt.

Nach Celle kommen Sie mit dem recht unbekannten Heinrich Doc Wolf ...

Der Mann ist ein Phänomen. Der Torfbauer aus der Nähe von Gifhorn kann acht Sprachen. Er hat sich ein Cadillac-Cabrio gekauft, das hat mich beeindruckt. Wir haben uns auf einem Festival kennengelernt und sind jetzt Soulbrothers.

Wo haben Sie schon zusammen gespielt?

Auf Bühnen, aber auch in Gefängnissen und Wohnzimmern. Irgendwie muss ich ja von meinen Schulden loskommen. Für 1000 Euro pro Show bin ich zu meinen Fans ins Wohnzimmer gekommen. Nach 500 Auftritten hatte ich das Geld fürs Finanzamt zusammen.

Was erwartet die Celler zum Konzert?

Spontanität und Ehrlichkeit. Es gibt keinen festen Ablauf, nur einen roten Faden.

Waren Sie schon mal in Celle?

Ich kann mich an 1965 erinnern, da habe ich als Discjockey in der Disco „Joker“ aufgelegt. Das war noch die Roy-Black-Zeit. Damals habe ich alles gemacht, was meiner Familie Geld gebracht hat.

Von Dagny Rößler