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Celle Stadt Interview mit Michy Reincke vor Auftritt am Sonnabend in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Interview mit Michy Reincke vor Auftritt am Sonnabend in Celle
16:38 27.01.2014
Von Christopher Menge
Michy Reincke Quelle: Photographer: Tristan Ladwein
Celle Stadt

Worauf dürfen sich die Celler dieses Mal freuen?

Ich werde einen großen Teil neuer Songs spielen, aber auch eine Handvoll Titel von Felix de Luxe. Hits wie „Nächte über Eis“ oder „Taxi nach Paris“ werden auch zu hören sein. Ich verspreche ein musikalisches Feuerwerk mit einem attraktiv aussehenden Musiker. (lacht)

Andere Musiker sind von den alten Songs genervt. Hätten Sie nicht auch mal Lust, auf „Taxi nach Paris“ zu verzichten?

Ich habe das Lied mit 22/23 Jahren geschrieben. Den Klang dieser Lieder habe ich nicht beibehalten. Ich singe das Lied als Mann, der ich jetzt bin. Grundsätzlich habe ich dem Song viel zu verdanken. Durch die Popularität sind Menschen zu meinen Konzerten gekommen und sie waren vielleicht überrascht, dass ihnen auch meine anderen Lieder gefallen. Ich bin ein aktuell schaffender Künstler, da kann man auch dreieinhalb Minuten lang ein altes Lied spielen.

Sie kommen nicht alleine nach Celle. Wen bringen Sie mit?

Vivie Ann wird tolle Pop-Songs spielen. Ich habe sie vor anderthalb Jahren bei einem Popkurs an der Hamburger Musik Hochschule kennengelernt. Da habe ich 1982 mal selbst teilgenommen. Ich versuche ein großes Forum für unbekannte norddeutsche Songschreiber zu bieten. Vivie Ann sing englische Texte und hat eine gute Art, diese vorzutragen.

Warum liegt Ihnen der Nachwuchs so am Herzen?

Ich habe die große Gnade erfahren, dass mir ältere Kollegen Tipps gegeben und Türen geöffnet haben – das gebe ich gerne weiter. Eine Frau hat mir mal zwei Mark gegeben, die für ein Busticket fehlten. Als ich ihre Adresse haben wollte, um ihr das Geld zurückzugeben, sagt sie, dass ich sie irgendwann jemand geben soll, der sie gerade braucht. Ich bin noch in einer Gesellschaft groß geworden, in der Werte vermittelt wurden. Ich hatte beispielsweise die Gruppe Boy im Vorprogramm. Die sind mittlerweile in der ganzen Welt bekannt. Das sind ganz feine Menschen. Man bleibt in Kontakt.

Woher kommen die Ideen für ihre Musik?

Ich sitze sehr lange an den Sachen und sammele permanent Musik und Textideen. Ich nehme sie auf dem Telefon oder auf einem Rekorder auf. Dann gibt es Phasen, in denen ich diese Sammlungen sichte. Ich spule hin und zurück, halte irgendwo an und höre mir die Sachen an. So kommen die Sachen in Fluss und es entstehen Lieder. Zuerst entsteht immer die Musik. Die Texte entstammen dann aus Gedanken und Dingen, die mich beschäftigen. Private Eindrücke oder auch Kritik an der Gesellschaft.

Es heißt, dass sie sich immer wieder neu erfinden können. Wie machen Sie das?

Wir können uns nicht selbst erfinden, sondern unterschiedliche Dinge tun. Ich suche nach Wahrheiten und versuche Rätsel zu lösen – auch für die Art, aus der ich stamme. Ich biete ein künstlerisches Angebot von Kultur mit einem geistigem Nutzen, den man reflektieren kann. Es geht darum, eine Chance zu ergreifen. Das ist wertvoll.