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Celle Stadt Israeltag: Workshops gegen Vorurteile
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Israeltag: Workshops gegen Vorurteile
21:48 04.03.2015
Von Gunther Meinrenken
In zahlreichen Workshops lernten Schüler beim gestrigen Israeltag das Land am Mittelmeer näher kennen. In der Celler Synagoge ging Samuel Schidem auf die religiöse Vielfalt in Israel ein. Quelle: Alex Sorokin
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Was kann die Vielfalt der Religionen in Israel besser symbolisieren, als wenn jemand von der Minderheit der Drusen (etwa 1,4 Prozent der Bevölkerung) über genau dieses Thema referiert. So ist es gestern, 4. März, beim Israeltag geschehen, den die Stadt zusammen mit dem Land Niedersachsen und der israelischen Botschaft in Berlin ausgerichtet hat. In der Celler Synagoge hatte Samuel Schidem etwa 80 Schülern auseinandergesetzt, dass es bei weitem nicht nur Juden in Israel gibt, für viele der Zuhörer war das neu, nicht so für Sebastian Schmidt.

Der 18-Jährige vom Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium war bereits einmal für eine Woche zum Austausch in der israelischen Partnerstadt Celles, Mazkeret Batya. "Die Gesellschaft dort ist nicht so monokulturell aufgestellt, wie es sich hier viele Menschen vorstellen", berichtete Schmidt von seinen eigenen Erfahrungen in Israel. Die Israelis, so hat es Schmidt erlebt, seien sehr auf ihr eigenes Land fixiert, wie man es sich in Deutschland kaum vorstellen könne. Begeistert war Schmidt von der multikulturellen Gesellschaft in Israel. "Man konnte mit jedem über alles reden", so der Schüler.

Schmidt gehörte wie etwas mehr als 200 weitere Jugendliche zur Zielgruppe, an die sich der Israeltag ganz speziell gewandt hat. Auf dem Programm standen diverse Workshops über das Leben in dem Mittelmeerland. Zu den Themen zählten die Alltagskultur, das politische System, Sport, Journalismus, Wirtschaft und Informationen über die Möglichkeiten, für ein Jahr in Israel zu leben.

Vincent Toulouse kann sich dies sehr gut vorstellen, nachdem er sich in dem Kurzseminar informiert hatte. "Das wäre schon reizvoll, auch weil es eine ganz andere Region ist", sagte der 18 Jahre alte Hölty-Gymnasiast.

Gastgeber Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende war besonders stolz, den Israeltag ausgerechnet in dem Jahr austragen zu dürfen, in dem die deutsch-israelischen Beziehungen ihren 50. Jahrestag feiern. Für Mende ist dies immer noch "ein Wunder", wie er in der Begrüßung der Schüler feststellte. "Dass 30 Jahre, nachdem sich die nationalsozialistische deutsche Regierung verschworen hatte, die Juden in einem unerhörten Mordprogramm auszulöschen, dass 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, das die Verbrechen weltweit offenbart hatte und 17 Jahre nach Gründung des Staates Israel dieser diplomatische Schritt möglich war, ist für mich noch immer ein Faszinosum, das vielleicht mehr über unsere Gemeinsamkeiten verrät, als wir uns wirklich bewusst machen", sagte Mende in der Alten Exerzierhalle.

Mende ging außerdem darauf ein, dass auch heute wieder Antisemitismus um sich greife, Juden auf offener Straße angegriffen worden seien. Allerdings widersprach er dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu, der seinen Landsleuten die Ausreise aus Deutschland empfahl: "Wir müssen für die Sicherheit unserer jüdischen Bevölkerung sorgen und wir müssen alles dafür tun, dass Antisemitismus, religiöser Wahn und stumpfe Vorurteile keine Nahrung und keinen Raum in Deutschland finden", so Mende. G