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Celle Stadt Ist das "Rio's" noch zu retten?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ist das "Rio's" noch zu retten?
11:32 10.02.2012
Von Heiko Hartung
Das "Rio\'s" platt machen? "Wie kommt man blofl auf so eine blˆde Idee", fragen sich die Kneipenbesitzer Dawn Doneck und Oliver M¸ller. Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

So langsam läuft die Zeit herunter für die Häuser am Nordwall. Auch für das Eckhaus Neumarkt 6, Heimat der Café-Kneipe „Rio‘s“. „Wenn die Verwaltung ankündigt, dass hier im Quartier bis zum Sommer die ersten Gebäude abgerissen werden, läuft‘s mir kalt den Rücken runter“, sagt Dawn Doneck. Vor 16 Jahren, ein Jahr nach der Eröffnung, übernahm die heute 45-Jährige gemeinsam mit Oliver Müller (48) den Laden. Gemeinsam machten sie das „Rio‘s“ zur Kultkneipe, deren rauer Charme Generationen von Frühstückern, Nachtschwärmern und Partywütigen anzog. „Ich hänge an dem Laden und habe Angst davor, wie es weiter geht“, sagt Doneck.

Bereits 2010 hatte die Besitzerin des Gebäudes, das auch das Evangelische Jugendhaus beherbergt, an die Stadt verkauft. Dass das „Rio‘s“ schon in diesem Jahr abgerissen wird, glaubt Müller nicht: „Unser Mietvertrag mit der Stadt läuft noch drei Jahre, das sitzen die aus.“ Skandalös findet Ratsherr Müller (BSG), das mit dem angekündigten Abriss der ersten Häuser eine Drohkulisse gegenüber den Hauseigentümern aufgebaut wird, die noch nicht verkauft haben. Denn erst, wenn auch die verbleibende Handvoll Anlieger den Kaufvertrag unterschrieben hat, kann das Verkehrskonzept Äußerer Ring mit seinem Herzstück, dem in beide Richtungen befahrbaren Nordwall, umgesetzt werden. „Und die Parole der Stadtverwaltung lautet weiterhin ,ankaufen‘“, unterstreicht Stadtbaurat Matthias Hardinghaus (CDU) die feste Absicht, keinen Deut vom Stadtentwicklungskonzept Mobilität abzuweichen.

„Wenn wir eine größere Sinnhaftigkeit im städtischen Verkehrskonzept erkennen könnten, würde unsere Akzeptanz für die ganze Sache vielleicht steigen“, sagt Müller. Und seine Partnerin Doneck fügt hinzu: „Die Stadt sollte das ganze Geld nicht in Straßen, sondern lieber in die Lebensqualität der Bürger stecken.“

Von ihrer Kundschaft wird das Gastronomen-Duo oft auf das drohende Aus angesprochen. „Besonders Ex-Celler auf Heimaturlaub wollen wissen, was hier los ist“, sagt Müller. Ein Leben ohne ihren Lieblingstreff? Dieser Gedanke macht viele Stammgäste wütend. In Foren wie Facebook rumort es. „Einfach standhaft bleiben“, heißt es da. Und: „Wer braucht diese Verkehrslösung?“ Ein anderer Kommentar lautet: „Ich bin da und ich hab‘n Geschenk für die Abrissbirne.“ Oder: „Wird Zeit, dass man mal etwas tut, nicht nur reden.“

Genau das wollen Doneck und Müller auch. „Wir werden versuchen, die öffentliche Unterstützung aufzunehmen und Aktionen gegen den Abriss zu starten“, sagt Müller und kündigt „humorvollen, kreativen Widerstand“ an. Denn er ist sich sicher: „Ein Ort wie das Rio‘s ist als Treffpunkt der Jugend wichtig für Celle – das wird auch in der Politik fraktionsübergreifend so gesehen.“

Warum dann nicht einfach an anderer Stelle neu eröffnen? Doneck: „Man kann mit einer Kneipe nicht umziehen.“ Das „Rio‘s“ lebe vom Blick auf den Neumarkt, der über Jahre gewachsenen Einrichtung und vom Standort. „Hier stört es auch niemanden, wenn nachts die Musik mal lauter ist.“ Bald könnte sie ganz verstummen. Ein Verlust für das Celler Nachtleben wäre es allemal.

Vom "Klein-St. Pauli" zur Kneipen-Institution

„In den 60er Jahren gab es hier im Klein-St. Pauli die ersten Hot Dogs in Celle“, erzählt „Rio's“-Chef Oliver Müller aus der Geschichte des Hauses Neumarkt 6. Mitte der 80er war oben im heutigen „Rio's“ eine Wohngemeinschaft, im Erdgeschoss eine Kneipe namens „Ringelnatz“. Dort wurde auch das „mit dem Barhocker über die Allerbrücke-Wetthüpfen“ erfunden. Zu der Zeit war an der „scharfen Ecke“ auch Celles Straßenstrich. 1995 wurde das „Rio's“ vom Besitzer des „Ohne Gleichen“ eröffnet. Ein Jahr später übernahmen die heutigen Wirte Oliver Müller und Dawn Doneck und machten die Café-Bar zur festen Celler Institution.