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Celle Stadt Italienische Oper in Celle: Zwei Aufführungen im Schlosstheater
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Italienische Oper in Celle: Zwei Aufführungen im Schlosstheater
12:00 21.06.2016
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Keine Spielart der Oper ist so beliebt wie die italienische Oper des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts: Mozart, Rossini, später dann Donizetti, Bellini und vor allem Verdi. In der Generation zwischen Mozart einerseits und Donizetti, Bellini und Verdi andererseits gibt es eine Lücke, über die sich selbst viele Opernkenner nicht klar sind. Kaum jemand weiß, auf welchem historischen Fundament Donizetti und später Verdi erwachsen sind. Es geistert in der Fachliteratur immer wieder ein Name herum, mit dem kaum einer konkret etwas anfangen kann: Johann Simon Mayr lautet dieser Name.

„Geprobt wird mit den Sängern und dem Georgischen Kammerorchester in München, zweiter Aufführungsort neben Celle wird Schloss Sandersdorf bei Ingolstadt, dem Heimatort Mayrs, sein,“ so Dirigent Andreas Pascal Heinzmann, der dieser Tage zusammen mit dem Präsidenten der Mayr-Gesellschaft, Joachim Genosko, sowie dem ganzen Team die Celler Bühne besuchte, um sich ein Bild von den örtlichen Gegebenheiten zu machen. „Wir müssen auch sehen, mit welcher Besetzung wir hier im kleinen Theater spielen.“ Heinzmann sieht darin aber kein Problem, denn für ihn ist der flexible Umgang mit der Besetzung etwas ganz Normales, was bei derlei Werken schon zu Uraufführungszeiten locker gehandhabt wurde. Regisseur Michael Lochar fügt hinzu: „Wir werden auf jeden Fall wegen des Wortwitzes und der dafür notwendigen Verständlichkeit die Rezitative in Deutsch geben. Da braucht sich niemand Gedanken machen, dass man den Inhalt nicht verstehen könnte.“

Mayr gilt als der künstlerische Vater des Opernkomponisten Gaetano Donizetti, der wiederum zusammen mit Vincenzo Bellini als Fixpunkt für die große nationale italienische Oper des Risorgimento, der nationalen italienischen Einigungsbewegung, angesehen wird. Und der dafür stehende Name ist kein Geringerer als Giuseppe Verdi, dessen Musik heute so weltweit geschätzt wird, dass Menschen von Oslo bis Buenos Aires dessen Melodien im Ohr haben. Im weiteren Gespräch mit dem Dirigenten Heinzmann wird sehr schnell deutlich, dass dieser die Musik Mayrs in ihrer verwandtschaftlichen Beziehung zu den bekannteren italienischen Opernmeistern sehr schätzt und geradezu dafür brennt, das in einer Aufführung belegen zu können.

Die Tatsache, dass Mayr nach seinem Tod im Jahr 1845 trotz vieler erfolgreicher Aufführungen zu Lebzeiten schnell in Vergessenheit geraten ist, ist bis heute unerklärlich. Möglicherweise liegt das zu einem Teil an seinem Namen und seiner deutschen Herkunft, dann aber auch daran, dass Mayr nie den Weg in die großen musikalischen Metropolen seiner Zeit suchte, sondern in seiner zweiten Heimat Bergamo bescheiden seinen ganz eigenen Weg gegangen ist. Und der ließ ihn viel Gefallen darin finden, musikalische Schüler um sich zu scharen. Anfang September haben die Celler die seltene Möglichkeit, sich einen eigenen Eindruck von der Musik Mayrs zu verschaffen.

Von Reinald Hanke