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Celle Stadt JVA-Experten sprechen im Kochstudio über fremdbestimmte Welt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt JVA-Experten sprechen im Kochstudio über fremdbestimmte Welt
18:04 17.10.2016
Celle Stadt

Wie lebt es sich so hinter Gittern? – eine Frage, die nicht nur die Häftlinge betrifft, sondern auch all die Menschen, die im Strafvollzug tätig sind. Wie gestaltet sich Alltag, was ist möglich, was nicht – für Wachpersonal und Inhaftierte gleichermaßen. Welchen Sinn und Zweck kann eine Zeit im Knast haben und wie genau kann Seelsorge dort funktionieren? Als Gäste mit profundem Wissen stellten sich Winfried Geppert, stellvertretender Leiter der JVA Celle, und Martin Burgdorf, Seelsorger der JVA Wolfenbüttel, den vielen Fragen rund um ein Leben hinter Gittern.

Geppert erzählt, dass er über sein Sportstudium den Weg in die Haftanstalt gefunden hat. „Sport ist ein wichtiger Bestandteil für ein Leben auf so deutlich eingegrenztem, beschränktem Raum. Sport schafft einen Ausgleich, hilft Frust und Aggressionen zu kanalisieren, gibt ein erfahrbares Stück Bewegungsfreiheit und ist außerdem eine Möglichkeit, ein Team zu bilden, mit anderen zusammenzukommen.“ Kontakte gibt es an den unterschiedlichen Arbeitsstellen und den gezielten Freizeit-, Lern- und Austauschmöglichkeiten. Zudem gibt es Auf- und Einschlusszeiten in Zellen, die generell einzeln belegt sind, das Frühstück und auch alle anderen Mahlzeiten, die nicht am Arbeitsplatz eingenommen werden, werden alleine in den zugewiesenen vier Wänden zu sich genommen. Das dient zum einem der Kontrolle, zum anderen der Sicherheit.

Inhaftierung dient der Bestrafung. Das ist Fakt, wenn es auch Diskussionen aufwirft –auch im Theater-Kochstudio. Geppert gab zu bedenken: „Das Aufstellen jeder Regel braucht eine Konsequenz für den Fall, dass diese nicht eingehalten wird – und dann gibt es auch die Perspektive der Opfer, die ,eine gerechte Bestrafung' gemessen am Vergehen erwarten, um etwas Frieden finden zu können“. Das Fazit ist ganz klar: Gefängnis ist nicht die beste Lösung, eine echte, realisierbare Alternative weiß aber auch keiner.

Seelsorger Burgdorf sagt: „Inhaftierung bedeutet für jeden Gefangenen erst einmal eine große Krisensituation. Der Häftling taucht ab Tag eins ein in eine Welt, die weitestgehend fremdbestimmt wird. Er ist abgeschnitten von persönlichen sozialen Kontakten und kann nur sehr beschränkt neue aufbauen. Das Leben, wie er es bisher kannte, ist schlagartig vorbei. Deshalb wird gleich zu Beginn ein ganzes Bündel von Gesprächen mit Anstaltsleitung, Sozialarbeiter und Seelsorger angeboten, um das Sorgenpaket nicht zu groß werden zu lassen.“

Von Doris Hennies