Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Jäger haben Nutrias im Visier
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Jäger haben Nutrias im Visier
17:53 31.01.2017
Quelle: Foto:
Celle Stadt

Kühl stellte die Tiere näher vor. Sie wiegen vier bis sieben Kilogramm, ernähren sich überwiegend vegetarisch, richten Fraßschäden etwa bei Raps an, fressen aber auch Muscheln oder Schnecken. Sie schädigen Ufergehölze oder suchen Gärten heim, sie zerstören Deiche. Und sie unterhöhlen mit ihren Bauen landwirtschaftliche Flächen, so dass nach Kühls Angaben auch schon Maschinen umstürzten. Und sie gelten als Krankheitsüberträger.

Als invasive Art treten Nutrias in Konkurrenz zu anderen Tieren. So brütet die Rohrdommel nach Kühls Worten an den Meißendorfer Teichen nicht mehr. Auch Wasserralle und Sumpfhuhn würden abwandern, wo sich die Nutria zeige. Sie sei sehr anpassungsfähig, nur strenge Winter ließen ihrne Zahl zurückgehen.

Bis zu drei Mal werfen die Tiere im Jahr, die Nachkommen sind nach sechs Monaten geschlechtsreif. Kühl zitierte eine Angabe aus der Literatur, wonach aus einem Nutriapaar in drei Jahren 16.000 Tiere werden können. Seit 2011 unterliegen die Tiere dem Jagdrecht und können mit Flinte oder Falle gejagt werden. Als Köder in den Fallen eignen sich Mohrrüben oder Äpfel, allerdings seien die Tiere sehr vorsichtig.

Den Ausschussmitgliedern hatte Kühl ein Nutriafell sowie einen Schädel mitgebracht. „Ich glaube, der Erfinder der Kneifzange hat hier seine Idee geklaut“, sagte er mit Blick auf die langen orangefarbenen Schneidezähne in den Kiefern.

Sprach Kühl von 33 erlegten Tieren an den Meißendorfer Teichen, so schätzte Knoop die Zahl der Tiere, die in dieser Jagdsaison zur Strecke gebracht werden, auf etwa 500. Im kommenden Jahr sollen es 1000 werden. „Fachleute gehen von einer Vervierfachung der Zahl der lebenden Tiere aus, wenn wir eine Verdoppelung der Strecke haben“, sagte Knoop. In milden Wintern sei die Vermehrung der Tiere stärker als von der Wissenschaft festgestellt.

Bis zu 100.000 Euro müssten an der Örtze ausgegeben werden, um die von Nutrias angerichteten Schäden zu beheben. Beim Ausbaggern des Sands sei nicht auszuschließen, dass die Bachsohle beschädigt werde. „Deshalb müssen die Nutrias stärker bejagt werden“, sagte der Kreisjägermeister.

Einen Anreiz dafür sollen die 6 Euro Schwanzprämie bieten, die der Gewässer- und Landschaftspflegeverband Südheide auf freiwilliger Basis zahle. Die Hegeringe im Landkreis seien bereit, die erlegten Tiere zu registrieren und die Abrechnung in die Hand zu nehmen. Vor allem die Fallenjagd müsse verstärkt werden, doch sei das intensive Arbeit, weil die Fallen mindestens einmal am Tag überprüft werden müssten. „Wir müssen schauen, ob Leute vor Ort bereit dazu sind“, sagte Knoop. Würden die Tiere mit der Waffe bejagt, verhielten sie sich noch heimlicher.

Der Kreisjägermeister sprach von wehrhaften Tieren, die schon mehrfach Hunde gebissen hätten, so dass es zu Todesfällen gekommen sei. Er selbst habe schon ein Tier geschossen, das sogar zwölf Kilogramm auf die Waage gebracht habe. Knoop appellierte an die Ausschussmitglieder, alle müssten mitarbeiten, um die Nutrias zu reduzieren und so die Schäden einzudämmen.

Von Joachim Gries