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Celle Stadt Jahresausstellung zeigt Werke von Nordwallplanung bis Minikleid auf Granit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Jahresausstellung zeigt Werke von Nordwallplanung bis Minikleid auf Granit
10:20 12.12.2017
 Dietrich Klatt zeigt in der Jahresausstellung des BBK seinen „Kunst-Blumen-Topf“, Isabé Prinzhorn (links) erklärt zu ihrem Werk „Déja-vu“: „Ich habe mich an den Begriff Nebenwirkung vielfältig, auch aus dem Alltag heraus, herangetastet.“ Quelle: David Borghoff
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Die am Sonntag im Schloss eröffnete Jahresausstellung des Bundes Bildender Künstler (BBK) Celle bietet nicht nur enorme motivische und technische Vielfalt zum Thema „Kunst mit Nebenwirkung“, die Vernissage wartet auch mit einem außergewöhnlichen Kunstexperten auf. Schauspieler Thomas Wenzel verschlägt es auf dem Weg zur Probe aus Versehen in die Halle, fasziniert von so viel Originalität an den Wänden stellt er sein Improvisationstalent kommentierend unter Beweis: „Sehen Sie hier – das ist die Celler Nordwallplanung“, interpretiert er ein verschlungenes und systemloses Wirrwarr aus Linien und Farbflächen auf schwarzem Untergrund von Heidrun Pfalzgraf. Ein kleiner gelb-rot leuchtender Fleck steht sinnbildlich für die Leidtragenden des Verwaltungs-Unvermögens: „Das Licht im Rio’s leuchtet noch“, spottet der zum Ensemble des Schlosstheaters gehörende Darsteller und entfacht kollektives Gelächter unter den 150 Besuchern.

Der Auftakt mit kurzer Einführungsrede des Vorsitzenden Norbert Diemert ist so gelungen wie die Exponate spannungsreich, tiefsinnig und ironisch sind. „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“, wird hinzugefügt, wenn es um unerwünschte Begleiterscheinungen im eigentlichen Sinne geht. „Schauen Sie sich die Bilder und Objekte an, und schärfen Sie die Sinne hinsichtlich ihrer Wirkung“, könnte es analog zur Pharmawerbung bei dieser Ausstellung heißen. „Empora“ hat Norbert Diemert seine Frauen-Skulptur betitelt: ein schlankes Model mit Kopf, aber ohne Gesicht, aus 1,2 Milliarden Jahre altem schwedischen Granit. Das Minikleid aus billigem Jersey, das die Rundungen gut zur Geltung bringt, nimmt die rosa Einsprengsel des edlen Materials wieder auf und „erzeugt einen ganz anderen Kontext, und schon ist da eine Nebenwirkung“, beschreibt der Vorsitzende sein filigranes Werk. Eingangs hatte er auf Veränderungen hingewiesen: neuer Vorstand und Internetauftritt sowie acht frisch gekürte Mitglieder. Die Ausstellung 2017/18 ist die Visitenkarte der Neuausrichtung und des Bewährten.

Von Anke Schlicht