"Jailhouse Rock" in Celler Gefängnis
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Celle Stadt "Jailhouse Rock" in Celler Gefängnis
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Jailhouse Rock" in Celler Gefängnis
17:51 02.06.2016
Die Lüneburger Coverband„Bad‘n Shape“ rocktein der Aula derJustizvollzugsanstalt Celle. Quelle: Peter Bierschwale
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Mit grundsolider Spieltechnik und einer Auswahl von klassischen Rocksongs eroberten die Musiker zügig ihr Publikum. Rockmusik erfreut sich offenbar auch bei den Gefangenen großer Beliebtheit.

In Zusammenarbeit mit dem Dortmunder „Kunst- und Literaturverein für Gefangene“ konnte die Celler JVA die Cover-Band für einen Auftritt gewinnen. Um ihre Musik bestmöglich auf die Bühne zu bringen, schleppten sie sogar ihr gesamtes Equipment in die Aula.

Normalerweise tritt "Bad'n Shape" mit zwei Sängern auf, doch leider musste Marina Mylinikow den Auftritt aus familiären Gründen kurzfristig absagen. Doch Sänger Axel Raatz ließ diesen Ausfall über weite Strecken des Programms vergessen, weil er die Stücke mit seiner klaren, hohen Stimme und einem kräftigem Vibrato souverän sang. Der Klang seiner Stimme passte meist hervorragend zu den ausgewählten Stücken. Gelegentlich nutzte er seine Gesangspausen sogar, um selbst den Background zu singen.

Neben den klassischen Instrumenten des Rock, also E-Bass (Theo Sommer), E-Gitarre (Stefan Langer) und Schlagzeug (Olaf Meyer), gehörte auch ein Keyboard zu "Bad'n Shape", gespielt durch Wudi Struntz. Wenn Struntz die Musik mit Akkorden unterstützte, klangen die Lieder voller. Er hielt sich zurück, wenn im Original keine Keyboard-Begleitung enthalten war.

Daher trug Gitarrist Stefan Langer die Hauptlast, was die musikalische Begleitung und die Soli anging, und das machte er solide und routiniert. Seine Soli orientierten sich an den Vorlagen, aber er gab ihnen auch eine persönliche Note. Seine Kombinationen aus schnellen Läufen und langgezogenen Tönen klangen eingängig, und dem musikalischen Spannungsbogen konnte das Publikum gut folgen. So bot die Band tatsächlich, wie angekündigt, "Rock ‘n' Pop in Top-Form".

Mit den sehr rhythmischen „Rockin' in the Free World“ und „Cocaine“ brachten sie gleich zu Beginn ihres Auftritts das Publikum in Bewegung. Joe Cockers „You Can Leave Your Hat On“ begann mit einem aufschreckenden Missklang: Einer der Musiker hatte sich in der Tonart vertan, doch der fröhliche Ruf „F!“ seiner Kollegen brachte ihn sogleich wieder in die richtige Spur. So etwas passiert halt bei Live-Musik, aber es tat der guten Stimmung bei Musikern wie Publikum keinen Abbruch.

Elvis Presleys „Jailhouse Rock“ in einem Gefängnis zu spielen, hat natürlich immer seinen Reiz – aber auch etwas Kurioses an sich. Die Band hielt sich bei diesem Song überzeugend eng ans Original.

Zum Erfolg des Konzerts trug neben der musikalischen Qualität auch der entspannte Umgang mit dem Publikum bei. Da stimmte die Chemie. Wie aus JVA-Kreisen zu vernehmen war, wird man sich um einen weiteren Auftritt von Bad'n Shape bemühen.

Von Peter Bierschwale