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Celle Stadt Jazz geht’s doch weiter
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Jazz geht’s doch weiter
14:25 03.06.2012
Von Michael Ende
Celler Streetparade 2012 Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

CELLE. Im Gänsemarsch schoben sich am Sonnabend bei der Streetparade Tausende von Besuchern durch die Gassen der Celler Altstadt – und zwar im wörtlichen Sinne: Viele folgten den tierisch gut gelaunten Hauptdarstellern der niederländischen „Ganzenfanfare“, die sich im Nullkommanichts zu Publikumslieblingen entwickelt hatten. Kein Wunder: Das einem Tambourin-Major folgende und mit Tschingderrassabumm begleitete trompetende Dutzend Toulouser Gänse sorgte für ausgelassene Stimmung. Da reihte man sich gerne ein.

„Back to the roots“ – zurück zu den Wurzeln lautete das lautet das Motto der Streetparade, die sich an der ursprünglichen Parade von 1992 orientiert. Kleiner, gemütlicher, spontaner als ihre zuletzt immer größeren und chronisch defizitären Vorgänger sollte sie sein. Und das, was die The Juggets Jazzband, Toetsie Foetsie Jazzband, Pax Jazzband, die Dixieland Crackerjacks, die Papa Dré´s Dixie Paraders, die Oakcity Jazzband, die Savannah Jazz Band, die Dr. Jazz Companie und die Streetband Holzminden auf dem Rundkurs Zöllnerstraße, Poststraße, Mauernstraße, Heiliges Kreuz boten, kam bei den Zuschauern und –Hörern bestens an.

Mario Demuth war aus Lachendorf in die Altstadt gekommen. Auch aber nicht nur um Jazz zu hören: „Ich bin nicht unbedingt ein Fan dieser Musik, aber ich mag es, wenn wie jetzt viele Menschen bei toller Atmosphäre in der Altstadt sind: Das finde ich richtig gut.“ Dieser Meinung war auch Eckehard Bühring, der bei der einzigen Celler Truppe, der Savannah Jazz Band, mit der Klarinette für guten Ton sorgte: „Die Stimmung ist toll. Die Leute genießen, es - und sie wollen es. Was könnte schöner sein?“

Altstadt-Ortsbürgermeisterin Gudrun Jahnke freute sich über die „Abstimmung mit den Füßen“, die so viel Leben in die City brachte: „Überall fröhliche Gesichter. Klein, aber fein, so geht es auf für unsere Stadt. Die neue Konzeption hat sich bewährt – besser kann es gar nicht sein.“

Das positive Echo kam auch bei Marianne Krohn, Geschäftsführerin der Tourismus und Stadtmarketing Celle GmbH (TSC) an. Die Celler hätten gezeigt, dass sie an ihrer Streetparade hingen: Das kleine Format kommt gut an. Alle sind begeistert.“ Besonders bei den Gastronomen an der Parade-Strecke waren die Hütten voll. „Es zahlt sich für alle aus“, so die Geschäftsführerin der TSC, die für die Parade 40.000 Euro hinblätterte. Krohn: "Wenn wir jetzt noch einen Sponsor finden, der hilft, das Defizit zu schmälern, dann sage ich: Gerne wieder!“

Er habe gemeinsam mit dem Bürgermeister aus Celles israelischer Partnerstadt Mazkeret Batya, Meir Dahan, und seiner Delegation die "sensationelle Streetparade genossen", so OB Dirk-Ulrich Mende: "Nicht nur das überschwängliche Lob der israelischen Delegation, sondern auch die strahlenden Gesichter aller Menschen, die ich dort heute getroffen habe machen für mich deutlich, dass der diesjährige Ansatz ein voller Erfolg war. Ich bin sehr zufrieden mit dem Konzept. Es war eine wunderbare Stimmung in der Stadt. Aufgeschlossen, fröhlich, freundlich musikalisch." Die Parade sei trotz der niedrigen Temperaturen deutlich besser angenommen worden als die vor drei Jahren, so der OB: "Meine Überzeugung von damals, keinen Eintritt dafür zu nehmen, die Stadt und ihre Besucher nicht mir einem Wegezoll zu belangen, ist aufgegangen. Das war ein voller Erfolg für die Stadt und ihre TSC."

TSC-Aufsichtsratsvorsitzender Bernd Zobel war froh, dass er nicht Zeuge eines Parade-Abgesangs, sondern einer Auferstehung war: "Alle Bands begeisterten das Celler Publikum bis spät in den Abend. Das wird wohl nicht der letzte Hauch von New Orleans in der Celler Altstadt gewesen sein.“

Meinung

Parade lebt

Totgesagte leben bekanntlich länger. Das gilt auch für die Streetparade, bei der es bislang nach jeder Auflage geheißen hatte, sie sei vermutlich die letzte. Ganz besonders in diesem Jahr hatte die Zukunft der Jazz-Veranstaltung auf Messers Schneide gestanden. Im Grunde hatte man sie bereits aufgegeben. Doch das Publikum hat gezeigt: Es will Veranstaltungen wie diese. Es will Leben in der Stadt und es will Teil dieses Lebens sein. Die Celler wollen feiern. Wenn es dazu Musik wie etwa Jazz zu hören gibt – umso besser. Noch besser wäre es natürlich, wenn das geneigte Publikum bereit wäre, freiwillig einen winzigen Obolus beizusteuern – doch so weit geht die Liebe nicht, wie sich in der Vergangenheit hinlänglich gezeigt hat.

Das Experiment „Back to the roots“ ist geglückt. Diese Botschaft ist bei den TSC-Verantwortlichen angekommen. Ihnen ist zu wünschen, dass sie Sponsoren für zukünftige Paraden finden. Wenn schon die Celler nicht auch nur ansatzweise bereit sind, die Musik, die sie bestellt haben, zu bezahlen - irgendwer muss es tun.