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Celle Stadt Jazz satt: Stilechte Musik der 1920er begeistert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Jazz satt: Stilechte Musik der 1920er begeistert
21:48 02.12.2018
Rag Doll Tro - (vl) Amy Protscher, Käthe von Treptow, Tanja Becker Quelle: Doris Hennies
Celle

Richtig rund haben dann – als Berliner „Rag Doll Trio“ – die drei Musikerinnen Amy Protscher am Piano, Tanja Becker an der Posaune und Sängerin Käthe von Treptow die Sache gemacht: purer Spaß, satter Blues, quirlig-überbordender Dixie, Ragtime und Boogie-Woogie. Alle Freunde von Oldtime-Jazz kamen voll auf ihre Kosten – soweit sie da waren, denn bedauerlicherweise fanden nur ein paar Handvoll Besucher am Samstagabend den Weg in das Celler Kulturlokal. Die aber fanden einhellig: „Das hat sich richtig gelohnt.“

Jazz satt, nicht nur von echten Vollweibern gemacht, sondern meist auch erdacht. So stellten die drei sich und ihr Programm vor. Käthe von Treptow: „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, nach Kompositionen von Frauen aus dieser Zeit zu forschen, und sind dabei nicht nur auf wunderbare Werke gestoßen, sondern auch unglaubliche Betrügereien in Sachen Urheberrechte. Die waren oft nämlich nicht geschützt, und so haben sich Musiker, darunter zum Teil auch die ganz Großen, mit einem Griff in die Kiste – oft Jahrzehnte später – einfach bedient und Melodien zu ihren eigenen Hits gemacht.“ Da machten selbst die vier Jungs aus Liverpool ("Lady Madonna") nicht halt, und die „Sweet Dreams (Are Made of This)“ träumten zuerst auch nicht die Eurythmics. Wie überprüfbar das ist, sei dahingestellt, die drei Mädels auf der Bühne haben in jedem Fall eine überzeugende Version aus den 20er Jahren abgeliefert.

Einer der Namen, der neben der Komponistin Alberta Hunter immer wieder auftauchte, war der der Bluessängerin Bessie Smith. Nachträglich als „Kaiserin des Blues“ bezeichnet, hatte sich die schwarze Sängerin trotz ärmster Kindheit als Waise ihren Platz in den schicksten Clubs der Metropolen erobert und mehr als 150 Schallplatten eingespielt. Neben den Themen unerfüllter Liebe beschäftigten sich die Texte mit dem, was der Alltag den Menschen – vor allem mit dunkler Hautfarbe – so abverlangte. Es ging um Ausgrenzung, Sehnsucht, Hoffnung oder Wut … – Emotionen und „Soul“, der in Rhythmus gepackt und mal herausgebrüllt, mal hinausgeseufzt wurde.

Die drei Vollblutmusikerinnen schafften auf der Celler Bühne mühelos den Spagat zwischen seelenvoll und Lebenslust. Die Musik ging – kein Wunder bei dieser perfekten Performance und dem deutlichen musikalischen Können – den Zuhörern sofort ins Blut. Es wurde gegroovt, geswingt, mitgeklatscht, ja unterm Tisch einige Male sogar mitgesteppt. Denn in den „Roaring Twenties“ stiegen – trotz Prohibition und Rassentrennung in den USA – die wildesten Partys. Und im halbseidenen Milieu amüsierten sich selbstbewusste Künstlerinnen mit frechen und anzüglichen Texten über die Männer – und erlaubten sich damit auch ein Stück Rache für die doppelte Unterdrückung. Am Ende freuten sich das Rag Doll Trio über die wohlverdienten Begeisterungsstürme des Publikums.

Von Doris Hennies

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