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Celle Stadt Jeder Emotion wird zum Klang
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Jeder Emotion wird zum Klang
13:21 15.02.2010
KONZERT: Geistliche Chormusik mit dem Vokalensemble “Gli Scarlattisti” in der Stadtkirche Quelle: Peter Müller
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Jochen M. Arnolds in der Celler Stadtkirche gastierender Chor „Gli Scarlattisti“ ist ein besonderer Chor: Er besteht aus 12 bis 14 Sängerinnen und Sänger, die sich mit bestens ausgebildeter Stimme geistlicher Musik widmen. Vor allem steht dabei die Musik bis zu Bach im Mittelpunkt. Dass dieser kleine Chor dabei die einzelnen Stimmen zumeist solistisch oder bestenfalls doppelt besetzt, liegt in Anbetracht der wenigen Mitwirkenden nahe. So entsteht ein äußerst differenzierter Kammerchorklang von ganz eigener Qualität. Er wird bestimmt vom Eingehen auf jedes Detail der zu musizierenden Vorlagen. Da wird versucht, jede Emotion der Vorlage Klang werden zu lassen, wobei der Chorleiter auch durchaus auf die individuellen Eigenarten und Ausdrucksdimensionen jedes einzelnen Chormitgliedes einzugehen willens ist. Er hält alles zusammen und baut die großen musikalischen Bögen. Dabei entfaltet der Chor eine enorme Virtuosität im Einzelnen, jedoch tritt eine Sache auffällig zurück: Die Homogenität des Klanges.

Dirigent Jochen M. Arnold versucht erst gar nicht, die einzelnen Stimmen so auf einander abzustimmen, dass deren Klangfarben verschmelzen. Auch scheint es ihm weniger wichtig, eine innere Klangbalance herzustellen. Immer wieder klingen die wenigen Frauenstimmen oder die hohen, manchmal ein wenig aufdringlichen Tenöre zu laut. Das Erstaunliche aber ist, dass aufgrund die Musikalität der Gestaltung diese negativen Aspekte hier zwar wahrzunehmen sind, aber kaum stören. Keine Frage: Man mag zum Chorsingen in solch minimierter Besetzung stehen wie man will: Auf einem solch hohen Niveau rechtfertigt es sich selbst.

Höhepunkt des Celler Konzertes war das zehnstimmige „Stabat Mater“ von Domenico Scarlatti. Während die „Musikalischen Exequien“ Heinrich Schützens ihrem weniger inspirierten als gelehrten Charakter folgend ein wenig langatmig wirkten, so gelang die bekannte Bach-Motette „Singet dem Herren“ so innerlich bewegt und bewegend wie das eher selten zu hörende Stück von Scarlatti. Es war schon sehr beeindruckend, wie selbstverständlich die unterschiedlichen Stimmen in diesem Stück agierten und wie dabei jede Phrase ausgestaltet wurde. Die Raffinesse des Stimmgeflechts wurde hier dank der Souveränität sämtlicher Mitwirkender inclusive der begleitenden Continuo-Gruppe bestens zur Wirkung gebracht. Möglicherweise ist die Leichtigkeit, die dieses Stück vermittelte, wirklich nur mit einer solch reduzierten Besetzung zu erreichen. Keine Frage: Dieser Chor hinterließ einen starken Eindruck in der nur mäßig besetzten Stadtkirche.

Von Reinald Hanke