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Celle Stadt Jesusklon im Celler Schlosstheater
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Jesusklon im Celler Schlosstheater
19:34 07.05.2015
Rasmus Max Wirth spielt in „Das - Evangelium nach Jimmy“ die Hauptrolle des Jesusklons Jimmy Wood. Quelle: Schlosstheater Celle
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Oft ist es gar nicht so einfach, von dem Titel eines Theaterstücks auf dessen Inhalt zu schließen, und fast könnte man glauben, das Schlosstheater hätte eine gewisse Affinität zu solch sperrigen Titeln. Nach der Uraufführung von „Antonia X. Versteuer (dich) nicht“ im April steht nun am kommenden Freitag, 15. Mai, im Haupthaus als vorletzte Premiere in dieser Spielzeit mit „Das Evangelium nach Jimmy“ erneut eine Uraufführung auf dem Spielplan. Den gleichnamigen Roman des 1960 in Nizza geborenen Schriftstellers Didier van Cauwelaert hat Intendant Andreas Döring zu einem Theaterstück umgearbeitet und gleichzeitig auch die Regie übernommen.

Eine ebenso aufwendige wie anstrengende Arbeit sei das gewesen, betont er, und noch immer ergäben sich während der Proben zahlreiche Änderungen. Zu einer persönlichen Begegnung mit van Cauwelaert sei es allerdings bisher noch nicht gekommen.

„Dem Stück liegt das Gedankenspiel zugrunde, was wohl passieren würde, wenn der Messias heutzutage persönlich wiederkäme,“ erläutert Döring und ergänzt: „Mit dieser Was-wäre-wenn-Frage verbindet sich die Behauptung, dass das Grabtuch von Turin mit den Spuren Jesu echt sei und sich daraus ein Klon erstellen ließe, der die Welt retten könne.“

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Jimmy Wood, gespielt von Rasmus Max Wirth, der seit dreißig Jahren Swimming-Pools repariert. Abgesandte des amerikanischen Präsidenten eröffnen ihm eines Tages, dass seine Gene aus dem Grabtuch von Turin gewonnen wurden und er der Klon Jesu sei. Er könne deshalb dem Leben einen neuen Sinn und feste Orientierung geben, nachdem sich die von Menschen gemachten Konflikte nicht verbessert, sondern im Gegenteil immer mehr verschlimmert hätten. Aber Jimmy ist weder besonders religiös, noch hat er jemals Wunder vollbracht. Es ergibt sich die Frage, ob ein äußerer Kopiervorgang auch zu einem inneren Überzeugungsakt werden kann. „So gesehen handelt das Stück von Manipulation, Autosuggestion, Identitätsverlust und Identitätsänderung,“ sagt Andreas Döring, „und bewegt sich letztlich auf einem schmalen Grat zwischen unbewiesener Behauptung und Satire.“

„Das Evangelium nach Jimmy“ hätte ihn zum ersten Mal dazu gebracht, sich mit der Bibel intensiver zu beschäftigen und auch Sekundärliteratur zu lesen, bekennt Schauspieler Rasmus Max Wirth, obwohl er durchaus ein gläubiger Mensch sei. „Aber ich spiele ja nicht Jesus, ich spiele Jimmy, der eine andere Identität annimmt“, ergänzt er. Das sei Herausforderung genug, denn eine solche Hauptrolle habe er noch nie gespielt.

Von Hartmut Jakubowsky