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Celle Stadt Jubel am Bahnhof: Rechten-Demo in Celle und keiner kommt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Jubel am Bahnhof: Rechten-Demo in Celle und keiner kommt
15:27 01.07.2018
Von Dagny Siebke
Quelle: Kimberly Wojahn
Celle Stadt

Was eigentlich geplant war: Bei Facebook erstellte der Neonazi und Organisator Enrico Pridöhl aus Ostholstein eine Veranstaltung und lud all seine Bekannten ein. Eigentlich hatten rund 40 Nutzer ihre Fahrt nach Celle angekündigt. „Interessiert“ hatten sich 241 für die Kundgebung. Doch am Bahnhof Celle wartete Pridöhl vergeblich auf seine veranschlagten 150 Mitstreiter. Genehmigt war ein Aufzug durch das Heesegebiet. Ähnliches spielte sich bereits im Februar in Peine ab. Dort meldete der Rechtsextreme für eine Großdemo an, am Ende kamen 100 Teilnehmer. In beiden Fällen hieß die Veranstaltung: „Gegen Fehlpolitik und für soziale Gerechtigkeit dem deutschen Volke.“

Großeinsatz für die Polizei: Allein 150 Beamte der Bundespolizei waren am Samstag im Einsatz. Ein Helikopter kreiste über der Stadt und hatte mögliche Anfahrtswege im Blick. Wie viele Beamte und Wagen der Polizeiinspektion Celle im Stadtteil Heese für Sicherheit sorgten, wollte Christian Riebandt nicht sagen. Es seien „ausreichend“ gewesen.

"Die Partei" wendet sich nun an die Verwaltung, um zu klären, inwieweit der Stadt durch die nicht stattgefundene Demonstration Kosten entstanden sind und ob es möglich ist, das Geld bei Organisator Enrico Pridöhl im Nachhinein einzufordern.

Zwei Gegendemos in Triftanlagen: Zu einem friedlichen Picknick in den Triftanlagen hatten das breite „Bündnis für ein weltoffenes Celle“ und „Die Partei“ aufgerufen. Gemeinsam zogen sie zum Celler Bahnhof. Während die „Patrioten Niedersachsen“ auf ihre Mitstreiter warteten, griffen mehrere Celler zum Megafon: Hans-Dietrich Springhorn forderte, die Faßberger Hakenkreuzglocke sofort aus der Kirche zu entfernen. „Wir dürfen nicht dulden, dass im Kreis Celle ein Hakenkreuz aktiv ist, weil diese Tatsache fast ein ganzes Dorf nicht schlimm findet. Wir dürfen es auch nicht zulassen, dass es null ehrliche Erinnerungskultur gibt. Wenn wir das alles weiter so laufen lassen wie bisher, dann ist es nicht verwunderlich, dass in Eschede auf dem Nahtz-Hof große Feste gefeiert werden und die NPD dort am 17. Juni ihren Landesparteitag unbehelligt veranstaltet hat.“

Der syrische Geflüchtete Tammam Kahil sagte vor 250 Cellern: „Ich finde, dass alle Parteien über Politik und Gesellschaft diskutieren sollten. Leider gibt es im Parlament oft bei Diskussionen viel Geschrei, denn die AfD kennt nur ein Thema, nämlich Fremdenfeindlichkeit.“

Nach der Kundgebung am Bahnhof ließ das Bündnis für ein weltoffenes Celle den Nachmittag in den Triftanlagen ausklingen. Rund 20 Teilnehmer folgten dem Aufruf von „Die Partei“ und zogen mit ihrer „Kartoffel-Demo“ zum Großen Plan.

AfD distanziert sich vorab: Der AfD-Kreisverband hat noch am Freitag ausdrücklich davon abgeraten, an der Demonstration der Patrioten teilzunehmen. Weder der Kreisverband selbst noch die AfD als Partei insgesamt habe mit der Demo oder deren Organisatoren irgendetwas zu tun. Es gebe hier keinerlei Zusammenarbeit. Der angekündigte Redner Lutz Urbanczyk sei der Celler AfD völlig unbekannt. In Berlin laufe eine Parteiausschlussverfahren gegen ihn.

Besonders pikant ist nach Ansicht von Kirsten Dieckmann, die für das „Bündnis für ein weltoffenes Celle“ auf die Straße ging, dass sich Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) im Vorfeld neutral zu den „Patrioten Niedersachsen“ verhalten hatte und er sich auch als Privatperson nicht den Gegenprotesten anschloss.

Bündnis hat sich mehr erhofft: Mit Blick auf die Teilnehmerzahl der Gegenproteste sagte der DGB-Kreisverbandsvorsitzende Paul Stern im Anschluss: „Das war ein mickriger Protest. Leider hat sich heute wieder gezeigt, dass der Protest nicht anschlussfähig ist für die bürgerliche Mitte.“

Ein satter Sound aus der Auspuffanlage ist Pflicht für alle, die am Samstag auf dem Celler Schützenplatz ihre getunten Autos aller erdenklichen Marken präsentierten. Der Schraubertreff hatte zum Stelldichein eingeladen und von überallher waren die Autofreaks gekommen, um ihre Fahrzeuge zu präsentieren.

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