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Celle Stadt Jüngeres Celler Stadtrecht von 1537 war letztes Pergament-Dokument
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Jüngeres Celler Stadtrecht von 1537 war letztes Pergament-Dokument
15:38 17.03.2017
Hier steht eine Bildunterschrift Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

Mehr als 200 Jahre nach dem älteren Stadtrecht von 1301 bekam Celle ein neues Stadtrecht und eine neue Polizeiordnung. Beides wurde in einem Libell, einem Pergamentheft, niedergeschrieben und in mittelhochdeutscher Sprache abgefasst. Dieses Schriftstück macht insgesamt einen geordneten und neuzeitlichen Eindruck und läutete nach der kirchlichen Reformation auch in weltlichen Dingen eine Erneuerung ein. Das Stadtrecht und die Polizeiordnung sind mit dem großen Siegel Herzog Ernst des Bekenners und dem sogenannten Privetsiegel seines Bruders Herzog Franz bekräftigt und von beiden eigenhändig unterschrieben. Dieses Schriftstück entstand in der kurzen gemeinsamen Regierungszeit der Brüder, die 1539 endete.

Dieses neue Stadtrecht orientierte sich wie das alte am Braunschweiger Recht, das auch in der Nachbarstadt fünf Jahre zuvor 1532 erneuert worden war. Die Celler Polizeiordnung hat die Reichspolizeiordnung von 1530 zum Vorbild. Wer diese beiden Texte verfasst hat, ist nicht bekannt. Möglicherweise war der Hofrat und spätere Kanzler Balthasar Klammer an der Kodifizierung der Texte beteiligt. Aber auch die Beteiligung des Celler Stadtsyndikus Johannes Dieckmann oder des Stadtschreibers Dr. Kilaw ist denkbar.

Stadtrecht und Polizeiordnung galten nur in der Stadt selbst, also innerhalb der Stadtmauern. Die Celler Vorstädte hingegen unterstanden der landesherrlichen Verwaltung. Ausgenommen vom städtischen Recht waren auch die Bewohner der Vorburg, also des Bereiches vor dem Schloss (Schlossplatz), die Geistlichkeit, die landesherrlichen Beamten und das Militär.

Die neue Celler Verfassung orientierte sich am römischen Recht und beginnt mit der Aufforderung an Kontrahenten sich gütlich zu einigen. Danach folgt das eigentliche Stadtrecht in 20 Paragrafen. Die ersten acht regeln bürgerliche Streitsachen, wie Beweisverfahren und die Vollstreckung des Urteils. Weitere zwölf Titel haben das materielle Recht wie Vermögens-, Erb- und Familienrecht zum Inhalt. Den Schluss bildet eine Vormundschaftsregelung.

Dagegen ist das Polizeirecht von 1537 mit 44 Paragrafen sehr viel umfangreicher. Es regelte die Angelegenheiten des Bürgerrechts, der Schifffahrt, des Bierbrauens, des Handels und der Preise. Sehr umfangreich werden die Bestimmungen zur Verhinderung der Ausbreitung eines Großfeuers ausgeführt. Ein Paragraf beschäftigt sich mit dem Schließdienst an den Stadttoren und ein anderer mit der Beschaffung von Maßen und Gewichten. Die Polizeiordnung traf auch Bestimmungen gegen übermäßigen Luxus bei Familienfeiern oder der Kleidung und des Tragens von Schmuck bei Hochzeiten. Ein Paragraf schaffte das Kindelbier beziehungsweise „das geschrey in den sechs Wochen“ anlässlich des ersten Kirchgangs der jungen Mutter ab. Dies war ein Brauch, der noch aus der alten Kirche herkam.

Von Sabine Maehnert