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Celle Stadt Junge Celler gestalten Volkstrauertag
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Junge Celler gestalten Volkstrauertag
14:39 13.11.2014
Von Michael Ende
lalaal Quelle: Stephanie Pilick
Celle Stadt

Die traditionelle Gedenkfeier des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge am Volkstrauertag hat vor drei Jahren auf Anregung von Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende ein neues Gesicht bekommen. So wurde die Feierstunde 2011 von Schülern des Hölty-Gymnasiums gestaltet, 2012 war das Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium an der Reihe, 2013 die Oberschule Celle II an der Burgstraße. In diesem Jahr wird der „Staffelstab“ an die BBS III/Albrecht-Thaer-Schule weitergegeben. „Ich finde es schön und wichtig, dass diese Kooperation mit den Schulen weitergeht“, so Mende. Genau 100 Jahre nach der Entfesselung des Ersten Weltkrieges erinnerten sich besonders viele Menschen an diese Katastrophe, deren Folgen heute noch spürbar seien: „Das wurde lange Zeit durch das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg übertönt.“

Am Volkstrauertag gehe es nicht nur um die Rückbesinnung auf Kriege, sondern um das Gedenken aller Opfer, so Mende: „Daraus leiten wir die Verpflichtung ab, für den Frieden in der Zukunft einzutreten. „Deshalb sei es richtig, junge Menschen einzubinden: „Denn die haben noch mehr Zukunft vor sich als wir Erwachsenen.“

Die Vorbereitungen zur Mitgestaltung der Gedenkfeier zum Volkstrauertag stellten die Schüler aus der Berufsfachschule Sozialassistent, deren Tätigkeitsbereiche nach Abschluss ihrer Berufsausbildung vornehmlich in Kindertagesstätten sein werden, unter das Motto „Kinder im Krieg“, erläutert Reinhold Duwe, Fachlehrer für Politik an der BBS III. Weil die Schüler eine Berufsausbildung absolvieren, für die das Unterrichtsfach Geschichte nicht vorgesehen sei, musste die inhaltliche Beschäftigung mit dem Gedenken an die Opfer von Gewalt und Krieg im Rahmen des Volkstrauertages in einem Zusammenhang mit der späteren beruflichen Tätigkeit stehen, da eine Arbeits- und Berufsorientierung sowie ein aktueller und zukünftiger Lebensweltbezug im Politikunterricht zwingend vorgeschrieben sei.

Nach einer allgemeinen Information und Beschäftigung über die Geschichte, Sinn und Ablauf des Volkstrauertages sowie die Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, seien Zugänge zum Thema durch Internetrecherchen und Befragungen von noch lebenden Verwandten und Bekannten, die den letzten Krieg als Kinder erleben mussten, erreicht worden, so Duwe: „So befasste sich eine Gruppe mit der Lebenssituation der Kinder im Ersten Weltkrieg. Es wurden sowohl die Lebensbedingungen der Kinder als auch die Kriegspropaganda in deutschen Kinderbilderbüchern recherchiert und reflektiert.“ Andere Schüler hätten ihre Großeltern und andere Verwandte über ihre Erlebnisse als Kinder im Zweiten Weltkrieg befragt und diese zum Teil aufgezeichnet: „Gerade hier stellte sich eine große emotionale Betroffenheit bei allen Schülern ein, die durch die Authentizität und die Nähe zu nahen Angehörigen hervorgerufen wurde.“

Aufgrund der knappen Unterrichtsstundenzahl von einer Stunde pro Woche wird in der zweiten Hälfte des Schulhalbjahres eine direkte Verbindung zur heutigen Berufswelt der Schüler hergestellt, sagt Duwe. Die Schüler müssten klären, welche Bedeutung die gewonnenen Erkenntnisse für sie und ihre Arbeit heute hätten: „Gibt es und wird es aufgrund zur Zeit zunehmender Flüchtlingsströme Kinder in den Kindertagesstätten geben, die selber schon von kriegerischen Auseinandersetzungen direkt oder indirekt betroffen waren? Wie sollte das erzieherische Handeln hinsichtlich des Umgangs mit diesen Kindern – auch in ihrem Umfeld mit den anderen Kindern in der Einrichtung - gestaltet werden? Wie kann in diesen Einrichtungen eine Friedenserziehung aufgrund dieser Erfahrungen aussehen?“

Geschichtslehrerin Hilke Ohlendorf hat mit ihren Schülern vom berufsbildenden Gymnasium die verschiedenen Stadien des Ersten Weltkrieges aufgearbeitet - von der anfänglichen Euphorie über das Leben und Sterben in den Schützengräben, Trauer bis hin zu den Folgen des Krieges. Dabei sei den angehenden Sozialpädagogen aufgegangen, dass der Erste Weltkrieg der Auftakt zu einer Reihe von Kriegen und Konflikten gewesen sei, die seither im Grund nie mehr abgerissen sei.

Der Geschäftsführer des Celler Kreisverbands des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Andreas Gschwentner, freut sich, dass die bisher relativ starre Struktur des Gedenktags durch das Mitwirken junger Leute aufgebrochen wird: „Wir lassen den Schulen und den Schülern weitgehend freie Hand. Die jungen Leute sehen das nicht als Pflichtveranstaltung an, weil sie ihre eigenen Gedanken präsentieren können.“ Dabei mache das Celler Modell jetzt landesweit Schule: „Die Idee, Jugendliche in die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag einzubinden, ist nun auch in Lüneburg und Hannover aufgegriffen worden.“

Die Celler Veranstaltung beginnt am Sonntag um 11.30 Uhr am Denkmal am Neuen Celler Rathaus. Mende: „Im Anschluss lade ich zu vertiefenden Gesprächen bei Kaffee ins Foyer des Rathauses ein.“