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Celle Stadt Junge Pianistin bietet Celler Publikum musikalischen Hochgenuss
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Junge Pianistin bietet Celler Publikum musikalischen Hochgenuss
22:01 17.04.2016
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Bei Kompositionen von Beethoven, Brahms, Chopin und Rachmaninow zeigte die Interpretin ihr besonderes Talent, Schwere und Leichtigkeit miteinander zu verbinden. Etwa bei der Gestaltung der gegenläufigen und im Gipfel parallelen Sechzehntelketten in Chopins cis-Moll-Etüde oder bei der virtuos-effektvoll vorgetragenen fis-Moll-Etüde von Rachmaninow.

Aufhorchen ließ sie auch bei Beethovens As-Dur-Sonate, bei der sie den Zuhörern zudem einen Hochgenuss visualisierter Motorik bot, nicht zuletzt bei den halsbrecherischen Oktavenbrechungen im Allegro-Finale. Ganz elegant und scheinbar mühelos schüttelte sie die Läufe aus dem Ärmel. Mit besonderer Aufmerksamkeit widmete sie sich dabei den Zwischentönen, dem „Wenigen“, den feinen und feinsten Nuancen, bei denen sich ihre sublime Gestaltungskunst einmal mehr offenbarte.

So traten beim genauen Hinhören auch die kleinen Beethoven-Rauheiten mit Prägnanz hervor. Überhaupt: Andrianovas ergreifendes Spiel faszinierte auch durch die Tiefe der Interpretation. So wurde etwa der mit einem deutlichen Forte und angemessener Härte in nackte Klage umschlagende begräbnishafte Pomp am Ende des theaterdonnernden Trauermarsches zu einem ungemein ausdrucksstarken Beispiel gelungener Klangsprache.

Ähnliches gilt auch für ihre Interpretation von Brahms’ C-Dur-Sonate, bei der sie dem musikalischen Geschehen mit spürbarem Enthusiasmus nicht nur seine Stoßrichtung gab, sondern quasi auch seine Seele. Denn sie spielte mehr als das, was in den Noten steht: In ihrem Spiel offenbarten sich auch die nahezu verborgenen und faszinierend ausgefeilten Details, das Grüblerische und Dunkle, aber auch die der Partitur innewohnende Ironie und die schwungvolle Beweglichkeit des jungen Brahms.

Von Rolf-Dieter Diehl