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Celle Stadt Junges Schlosstheater thematisiert Cybermobbing
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Junges Schlosstheater thematisiert Cybermobbing
12:42 04.10.2016
Gintas Jocius als „Frank“, Irene Benedict als „Karin“, Josephine Raschke als „Chris“ und Christoph Schulenberger als „Robert“ (von links) thematisieren die Lebenswelt von Jugendlichen in sozialen Netzwerken. Quelle: Sarah Pertermann
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„Biltgen thematisiert hier eine Gesellschaft, die ihrer digitalen Revolution hinterherhinkt“, so Regisseurin Aline Bosselmann. „Bei Jugendlichen findet ein sehr großer Teil der Kommunikation digital über soziale Netzwerke statt. Das ist schnell, verbindet und lässt den Einzelnen ebenso wie die Gruppe fast unmittelbar an dem teilhaben, was einen bewegt. Das schafft eine fast in jedem Punkt nachvollziehbare, verfolgbare Alltagswelt und eine besondere Abhängigkeit von 'Likes', dem Online-Zuspruch, und der damit demonstrierten Akzeptanz und Zugehörigkeit. Als Theater stehen wir nicht nur im Mittelpunkt von Kommunikation und Auseinandersetzung, wir versuchen auch, Dinge anschaulich zu machen, und das möchten wir auch mit diesem Stück: Es erzählt von menschlichen Beziehungen und dem Umgang miteinander, der Belastbarkeit von Freundschaft und Solidarität im Zeitalter digitaler Medien."

„Haifisch im Netz“ transportiert nicht nur anschaulich, wie und über welche Wege Jugendliche heute kommunizieren, sondern verdeutlicht auch den Umgang mit und in sozialen Netzwerken – die Möglichkeiten, aber auch den Missbrauch. Deshalb ist das Stück auch für jeden Erwachsenen interessant, um Zugang zu einer Welt zu bekommen, die sie selbst kaum in dieser Intensität nutzen und begreifen. „Wir wollen hier nicht das Internet und seine Nutzung tabuisieren, sondern aufzeigen, wie was funktioniert und wie etwas nutzbar, aber auch ausnutzbar und diffamierend sein kann“, ergänzt Dramaturgin Mona vom Dahl.

„Digitale Übergriffe wirken fast wie ein Virus, ein ungeheuer schnell rollendes Schneeballsystem. Was ins Netz, in die soziale Gruppe gestellt wird, ist nicht einfach zu löschen, und auch das Abschalten ist keine Lösung, wenn das heißt, den Einzelnen von dem Medium zu trennen, mit dessen Hilfe er kommuniziert, Kontakte aufbaut und aufrechterhält, sich identifiziert und in der Gruppe positioniert", so vom Dahl. Sich abzutrennen, bedeute gleichzeitig den Verlust des Umfelds, und es unterbricht nicht die Kommunikation, die Wahrnehmung und Einordnung der anderen.

Für „Haifisch im Netz“ ist das Junge Schlosstheater dicht an Jugendliche herangegangen. Es wurden Videos gedreht und viele Gespräche geführt. Die Zuschauer werden die interaktive Möglichkeit bekommen, sich selbst in einen speziell eingerichteten „Chatroom“ zu bewegen. Vorab sucht das Theater ein Testpublikum. Meldungen und Informationen dazu über Aline Bosselmann unter (05141) 9050818 oder theaterpaedagogik@schlosstheater-celle.de.

Premiere von „Haifisch im Netz“ ist am Freitag, 7. Oktober, in Halle 19. Beginn 20 Uhr.

Von Doris Hennies