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Celle Stadt KAV-Gymnasium Celle: Neues wagen, ohne schnell Bewährtes zu vergessen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt KAV-Gymnasium Celle: Neues wagen, ohne schnell Bewährtes zu vergessen
17:09 19.06.2016
Schulleiter Bernd Ostermeyer steht zwischen den Jahrgangsbesten des KAV-Gymnasiums Torben Maas (1,0) und Carolin Wunsch (1,2). Quelle: Alex Sorokin
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Poschmann bezeichnete die Abiturienten als „weiße Elefanten“: „Ich finde, Sie haben in den letzten Jahren das KAV attraktiv gemacht, es entschleunigt und das Sinnvolle dem nur Verwertbaren entgegengehalten.“ Bereits in der fünften Klasse haben die „kleinen weißen Elefanten“ mit ihren fächerübergreifendenden Kompetenzen verzückt: Die 5c hat es mit ihrer Eloquenz geschafft, die Klassenlehrerin davon zu überzeugen, für eine Strecke von 500 Metern den Bus zu nehmen. Die Kunstrichtung des Minimalismus praktizierte die 5a, als sie bei der Klassenvorstellung in der Schülerzeitung kurz und knapp formulierte: „Wir sind‘s, die 5a“– wo andere ganze Seiten füllten. Die 5d fiel in der gleichen Ausgabe durch den Satz auf: „In fast allen Fächern schreiben wir hier Arbeiten, so dass wir uns die Herbstferien nun wirklich verdient haben.“ Und die 5d testete allabendlich auf der Klassenfahrt die Vibrationsfähigkeit der Stimmbänder ihrer Begleitpersonen.

Poschmann gab den Abgängern mit auf den Weg: „Nutzen Sie Ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten, wagen Sie Neues ohne das Bewährte zu vergessen. Erheben Sie Ihre Stimme, wenn es Ihnen sinnvoll erscheint, hinterfragen Sie vorschnelle Antworten und lassen Sie sich nicht zu schnell von der Suggestivkraft der Medien leiten. Und denken Sie bei alldem daran, dass auch andere Personen um Sie herum weiße Elefanten ins Spiel bringen wollen – arbeiten Sie miteinander und nicht gegeneinander.“

Schulleiter Bernd Ostermeyer erläuterte, dass die Abiturientia 2016 mit 74 Schülern angetreten ist, wovon 70 die Prüfungen erfolgreich bestanden haben. 16 Abiturienten haben eine „Eins“ vor dem Komma. Die Durchschnittsnote liegt in diesem Jahr bei 2,42. „Das ist noch besser als im letzten Jahr“, betonte Ostermeyer. „Um Ihre Studier- und Ausbildungsfähigkeiten mache ich mir keine Sorgen.“

Ostermeyer zitierte den Universitätslehrer Harald Welzer, der kürzlich in seinem Buch zum Aufstand gegen die digitale Diktatur aufgerufen hat. Darin heißt es: „Das Leben ist analog. Beziehungen sind analog. Empathie, Liebe, Hass, Wut, Mitleid und Freude sind analog.“ Ostermeyer sagte: „Erinnern Sie sich stets daran, dass Sie im Netz Hilfe nur in trivialen Fällen bekommen. Wenn es hart auf hart kommt, brauchen Sie richtige Menschen. Die da sind. Die mit Ihnen gemeinsam etwas machen.“ Mit den Worten Alan Kays sagte er abschließend: „Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet.“

„Die Schulzeit war eine Achterbahn der Gefühle“, erzählten die Abiturienten Robert Blazy, Lennart Möller, Melina Wichmann und Carolin Wunsch. „Als wir auf dem höchsten Punkt standen, wurde uns langsam bewusst, dass wir diese Fahrt nur gemeinsam schaffen konnten. Kein Waggon kann sich einfach abkoppeln.“ Manchmal merke man im Klausurentrubel nicht, was für ungeahnte Talente in Mitschülern schlummern, bis man ein Sommersfest oder das Jahrgangsevent organisiere. „Jetzt ist die Zeit vorbei, wir müssen aus- und in eine neue Attraktion einsteigen. Der Eine muss warten, andere haben schon ein Ticket sicher und manche versuchen neue Fahrgeschäfte kennenzulernen.

Das Abitur bestanden haben:

Von Dagny Rößler