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Celle Stadt KAV-Schüler wollen Frieden in Europa bewahren
Celle Aus der Stadt Celle Stadt KAV-Schüler wollen Frieden in Europa bewahren
18:53 18.11.2018
Von Dagny Siebke
Bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag vor dem Neuen Rathaus in Celle ergriffen Schüler des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums das Wort und hielten ein Plädoyer für die Idee von Europa. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Zeichen für Verständigung gesetzt: Rund 200 Celler haben gestern aus Anlass des Volkstrauertrages die Feierstunde am Ehrenmal vor dem Neuen Rathaus verfolgt. Das Programm gestalteten neun Zwölftklässler und die Bläsergruppe des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums. In ihrer Gedenkrede fanden die Schüler eindrückliche Worte dafür, warum sie ihre Idee von Europa verteidigen wollen: "An den schrecklichen Taten der Vergangenheit können wir leider nichts mehr ändern, jedoch können wir aus ihnen lernen und versuchen, solche unmenschlichen Taten in der Zukunft zu verhindern." Daher verstehen die Schüler den Volkstrauertag nicht nur als Gedenk- und Erinnerungstag, sondern "als Auftrag an uns alle – Frieden zu bewahren und unseren Beitrag dazu zu leisten."

Erfahrungen des Schüleraustausches prägen Leben

Aber wie lebt man den europäischen Gedanken in einer Zeit, in der die europäische Idee immer wieder infrage gestellt wird? Werte wie Weltoffenheit, Verständnis, Toleranz, Respekt, Erinnerung, Bildung Neugier und Begegnung seien gefragt, sagten die KAV-Gymnasiasten. An ihrer Schule gebe es viele Angebote, die diese Werte förderten. Als Europaschule habe das KAV-Gymnasium vielfältige und lang bestehende Kontakte ins europäische und außereuropäische Ausland. Der Schüleraustausch biete die Möglichkeit, Menschen aus anderen Ländern zu begegnen, sich mit ihnen auszutauschen und ihre Kultur zu erleben. "Das sind Erfahrungen, die uns prägen und Kontakte, die erhalten bleiben", betonten die Zwölftklässler.

Während der Vorbereitungen der Gedenkstunde haben die KAV-Schüler Freunde in Europa gefragt, was ihnen zu Europa einfällt: "Uns ist bewusst geworden: Wir haben dieselbe Idee von Europa – vom Friedensprojekt Europa – und die gilt es zu verteidigen." Denn durch Begegnungen entstehe Verständnis füreinander und auch die geteilte Erinnerung trage dazu bei, Grenzen, Unsicherheiten und Vorurteile zu überwinden und Freundschaften von Dauer zu schließen.

Auftakt zur Sammelwoche des "Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge"

Am Vortag des Volkstrauertages hat die Bundeswehr auf dem Großen Plan Erbsensuppe, Kakao und Glühwein für den guten Zweck verkauft. Allein am Samstag kamen 1100 Euro für den "Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge" zusammen. Der Spielmannszug Wietzenbruch sorgte für das musikalische Rahmenprogramm.

Hier die komplette Gedenkrede der Schüler des KAV-Gymnasiums Celle:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

unsere Generation kennt Krieg nur aus den Medien, seit mehr als 70 Jahren herrscht in Europa Frieden – Frieden und das friedliche Zusammenleben sind für uns eine Selbstverständlichkeit – wir kennen es nicht anders. Aber ist das wirklich eine Selbstverständlichkeit? Eine Selbstverständlichkeit auf einem Kontinent, auf dem die Länder im vergangenen Jahrhundert insgesamt 10 Jahre lang gegeneinander Krieg geführt haben und es Millionen Opfer auf allen Seiten gegeben hat?

An den schrecklichen Taten der Vergangenheit können wir leider nichts mehr ändern, jedoch können wir aus ihnen lernen und versuchen, solche unmenschlichen Taten in der Zukunft zu verhindern.

Daher verstehen wir den heutigen Volkstrauertag nicht nur als Gedenk- und Erinnerungstag, sondern verstehen den heutigen Tag ebenso als Auftrag an uns alle – als Auftrag, Frieden zu bewahren und unseren Beitrag dazu zu leisten!

Ähnliche Gedanken haben nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auch zur Gründung eines vereinten Europas geführt. „Nach Jahrhunderten blutiger Völkerfeindschaft auf dem alten Kontinent ist in Europa gelungen, was an vielen anderen Orten der Welt noch nicht gelungen ist: die Überwindung der Feindschaft, die Schaffung von Respekt, Zusammenarbeit und Freundschaft unter den Völkern. Den Frieden in Europa verdanken wir auch und in besonderer Weise der Idee eines geeinten Europas. Und die Einigung Europas ist vor allem anderen ein Friedensprojekt.“ formulierte zum Beispiel der Historiker Bernd Mütter.

Schon vor dem europäischen Einigungsprozess gab es Menschen wie den späteren Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt, der während seines Exils in Norwegen und Schweden schon 1943 schrieb: „Der Tag wird kommen, an dem der Hass, der im Krieg unvermeidlich scheint, überwunden wird. Einmal muss das Europa Wirklichkeit werden, in dem Europäer leben können."

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs äußerte sich der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, ähnlich. Er sagte: „Im Interesse des Friedens, im Interesse des Fortschritts müssen wir Europa schaffen, und wir werden es schaffen.“

Auf den ersten Blick erscheint Europa als eine Gemeinschaft aus Staaten, die wirtschaftlich und politisch zusammenarbeiten mit gemeinsamer Währung, Freizügigkeit und Abbau der Zollschranken. Aber ist Europa nicht viel mehr als nur Politik und Wirtschaft? Für uns Schülerinnen und Schüler bedeuten Europa und die europäische Idee in der Tat viel mehr:
Europa ist für uns zuallererst ein Europa der Menschen und der friedlichen und zugewandten Begegnungen zwischen diesen Menschen. Menschen, die sich in Europa einander zugehörig fühlen auf Grund gemeinsamer Werte, Ideen und nicht zuletzt vor dem Hintergrund der konfliktreichen Vergangenheit.
Aber wie lebt man den europäischen Gedanken, transportiert ihn in den Alltag und gestaltet ihn aus? Insbesondere in einer Zeit, in der die europäische Idee von verschiedenen Seiten nicht nur hinterfragt, sondern sogar in Frage gestellt wird?
Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage ist sicherlich nicht einfach, unerlässlich scheinen uns aber bestimmte Voraussetzungen zu sein:
Weltoffenheit , Verständnis, Toleranz und Respekt,
Erinnerung und Bildung und
Neugier und Begegnung.

Unsere Schulzeit am Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium war und ist geprägt von vielen Angeboten, die uns die Herausbildung dieser Voraussetzungen ermöglichten.
Unsere Schule hat als Europaschule vielfältige und z.T. lange bestehende Kontakte ins europäische und außereuropäische Ausland. Wir Schülerinnen und Schüler erhalten unter anderem durch die vielfältigen Austauschmaßnahmen zum Beispiel nach Frankreich, England, Polen, die USA und Israel die Möglichkeit, Menschen aus anderen Ländern zu begegnen, uns mit ihnen auszutauschen, ihre Kultur zu erleben und unsere Kultur erlebbar zu machen. Das sind Erfahrungen, die uns prägen und Kontakte, die erhalten bleiben.
Im Rahmen der Beschäftigung mit der heutigen Gedenkstunde haben wir unsere Freunde in Europa gefragt, was ihnen zu Europa einfällt – einen Teil der Antworten haben Sie zu Beginn der Gedenkfeier gehört. Und eines ist uns allen dabei noch einmal ganz bewusst geworden: wir haben dieselbe Idee von Europa - vom Friedensprojekt Europa - und die gilt es zu verteidigen.
Denn durch Begegnungen entsteht Verständnis füreinander und auch die geteilte Erinnerung trägt dazu bei, Grenzen, Unsicherheiten und Vorurteile zu überwinden und Freundschaften von Dauer zu schließen.
Daher gedenken wir abschließend auch derer, die in der Vergangenheit auf Grund von Feindschaft, Hass und Krieg nicht die Gelegenheit hatten, diese Begegnungen und Erfahrungen innerhalb eines friedlichen Europas machen zu können.
Europa ist ein anderes geworden als das Europa vor 100 Jahren. Und dieses Europa des Friedens von heute zu schützen, zu verteidigen und zu bewahren ist vielleicht die größte Aufgabe unserer Generation – wir nehmen sie gerne an."

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