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Celle Stadt Kabarett in der Celler Pauluskirche mit wenig Biss
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kabarett in der Celler Pauluskirche mit wenig Biss
22:09 27.08.2017
Christlich-satirische Unterhaltung: Kirchenkabarettist Ingmar Maybach in der Pauluskirche. Quelle: Michael Schäfer
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Celle. Viele Pointen, sofern es denn überhaupt welche gab, versickerten oder verpufften an diesem Abend mehr, als es gut war. Oder sie verlangten Pseudofröhlichkeit durch Mitmachen des Publikums. Das war zwar weitgehend ironisch gedacht, funktionierte aber nicht recht, sondern wirkte eher wie die plumpe Nachmache von Zuschaueranimation in manch anspruchsfreier Privatfernsehshow.

Natürlich, und zum Glück, gab es auch bessere Nummern in diesem Programm als beispielsweise eine vollkommen danebengegangene Persiflage des European Song Contest. Sorry, aber wenn man sich über etwas Derartiges kabarettistisch singend äußern möchte, dann muss man zumindest wirklich singen können. Dass davon nicht die Rede sein konnte, war leider unüberhörbar. Viel besser waren da Nummern wie eine tiefenpsychologische Ausdeutung des Liedes „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ oder die Udo-Jürgens-Parodie „Aber bitte mit Pastor“. Da brachte Maybach die Dinge genauer auf den Punkt, spitzte gekonnt zu, setzte eine Pointe und ironisierte mal dieses oder jenes religiöse oder kirchliche Klischee, um danach immer wieder den Bogen ins Politische, Allgemeingesellschaftliche oder Allzumenschliche zu schlagen.

Und da zeigte sich dann die Qualität Maybachs im Gegensatz zu vielen Comedy-Modeerscheinungen. Maybachs Humor hat Niveau. Das gleiche gilt auch für seinen musikalischen Begleiter, der abgesehen von ganz wenigen Nummern allerdings so zurückhaltend agierte, dass es ein wenig schade war und so manche Doppelbödigkeit nicht recht zur Wirkung kam.

Von Reinald Hanke