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Celle Stadt Kabarett ohne Witz und Pfeffer
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kabarett ohne Witz und Pfeffer
17:31 25.09.2018
Die Leipziger Pfeffermühle warmit der "Agenda 007" zu Gast in der Celler CD-Kaserne. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Der Mief von 40 Jahren Sozialismus durchzieht am Sonntagabend die kleine Halle der CD-Kaserne. Auslöser sind die drei Hauptakteure auf der Bühne. Sie besingen sich als „die coolsten Säue von Sachsen“, geben allerdings in ihrem blauen Kittel, grauen und beigen Popelinjacken und -mänteln eher das Bild von schlecht getarnten Stasi-Agenten ab. „Wir sind der Staat im Staat“, stellen sie sich vor. Und dieser ist längst nicht mehr das Land der Arbeiter und Bauern. Zweifelsohne – die Spitzel agieren in der gesamtdeutschen Wirklichkeit, dienen aktuell dem Verfassungsschutz, verfügen für die Datensammlung über Kameras, Smartphones und Drohnen.

Die „Leipziger Pfeffermühle“ hat das Szenario eigens aufgebaut, um ihren knapp 200 Zuschauern Kabarett zu bieten. Doch dieses Ansinnen läuft ins Leere, allenfalls als Comedy mit Musik und unangenehmem Beigeschmack lässt sich der Auftritt bezeichnen. Nicht die Obrigkeit nehmen die Sachsen ins Visier, sondern die Bevölkerung im Allgemeinen sowie Neubürger mit Migrationshintergrund im Speziellen. Der Syrer gibt den Depp, weil er nicht richtig Deutsch kann, es liefe alles prima im Staat, gäbe es nur die Islamisten nicht, oder der Kriminelle ist immer der Osteuropäer in Sporthose und mit Goldkette. So ließen sich einige der dargebotenen Szenen überschreiben. „Wir sind die blöden Bullenschweine, die Vollpfosten vom Dienst“, lautet der Refrain des Polizisten-Mitleidsliedes. Wegen jeder Nichtigkeit nimmt der egoistische Städter oder Landbewohner die Beamten in Anspruch, auch „Alte Mütter“ machen da keine Ausnahme. Besungen werden diese im nächsten Song mit Inbrunst und bösem, aber wenig hintersinnigem Blick auf veränderte Lebensplanungen. „Und wo blieb der Seitenhieb auf Männer, die noch mit 70 Väter werden?“, lautet der Kommentar einer Zuschauerin in der Pause.

Tölpel im Dienste des Verfassungsschutzes bilden auch im zweiten Teil den roten Faden. Angesichts der brandaktuellen Ereignisse rund um den bisherigen obersten Dienstherrn hätten sich Dialoge mit Biss und Witz angeboten. Doch lediglich in einer Randbemerkung findet Hans-Georg Maaßen Erwähnung. Die Sicherheitsbeauftragten beherrschen ihren Job nun mal nicht, vielleicht ist dieses die Erklärung, weshalb auch rechte Aufmärsche mit Hitlergruß ungenannt bleiben. Die „coolen Sachsensäue“ haben die Linke zwar auf dem Schirm, AfD und NSU hingegen noch nicht realisiert.

Womöglich sind die Leipziger nur vermeintlich angekommen in der deutschen Wirklichkeit des Jahres 2018? Der Schluss liegt nahe. Wie könnten sie andernfalls ein Programm mit der Ausstrahlung eines Billigimports aus der Ostzone auf die Bühne bringen?

Von Anke Schlicht

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