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Celle Stadt Kabarettist HG Butzko wirbt in Kunst & Bühne in Celle für Toleranz und Menschenrechte
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kabarettist HG Butzko wirbt in Kunst & Bühne in Celle für Toleranz und Menschenrechte
13:45 08.11.2017
Quelle: David Borghoff
Celle Stadt

Butzko stellt die berechtigte Frage. „Wie kann es sein, dass ein Täter, wenn er an den Koran glaubt, automatisch als Terrorist deklariert wird, während man – bei gleicher Tat – einem Andersgläubigen zumindest die Vermutung auf Geisteskrankheit zubilligt?“, will er wissen. „Noch schlimmer: Wie kann aus Meinung und Handeln einer radikalisierten Minderheit eine Einordnung einer ganzen Religionszugehörigkeit erwachsen?“ Und er macht sich daran, verblendete Mauern einzureißen und die einzelnen Bausteine genauer zu betrachten und zu benennen.

Der Mörtel, der diese Bollwerke aus Unsicherheit, Furcht, Hetzkampagnen, Unterstellungen und Dummheit zusammenhält, ist nach Meinung des Kabarettisten ein Missbrauch von Nations- und Religionszugehörigkeit – zumindest, sobald das zu Überheblichkeit, Ausgrenzung, Fundamentalismus und Politisierung führt. „Wir leben auf einem Planeten, auf dem vor tausenden von Jahren ein paar Leute Stimmen und Geschichten hörten, über die anschließend Bücher geschrieben wurden. Und darin ist zu lesen, wie man zu leben hat, um nach dem Tod nicht in die Verdammnis, sondern ins Paradies zu gelangen.“

In jedem dieser Bücher gebe es menschenverachtende Regeln, radikale Lösungen und Strafen bei Nichteinhaltung. Und zum Beweis rezitiert Butzko gleich mehrere Stellen aus dem Alten Testament. Dabei sei es egal, ob Dschihadisten im Nahen Osten oder Evangelikale im Wilden Westen, selbst „Christliche Parteien“ beriefen sich in ihrem Namen auf einen Religionsstifter. „Und auch wenn sie sich in der Wahl ihrer Methoden unterscheiden, so haben sie doch alle etwas gemeinsam: Sie vermischen in übergriffiger und unzumutbarer Weise Religion und Politik“.

Der Kabarettist nahm seine Zuhörer an diesem Abend mit auf eine sarkastische, drastische, darum aber nicht weniger reale Reise durch seine Weltanschauung. Butzkos Argumente waren nicht immer bequem, aber dafür logisch statt ideologisch. Es war ein rauer Appell: zu differenzieren, das eigene Hirn zu benutzen, Hinzuschauen und Hinzuhören, Verantwortung zu übernehmen und zu nutzen – für Toleranz und Menschenrechte.

Von Doris Hennies