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Celle Stadt Kabarettistin begeistert in Celle mit Gesang, Spiel und Comedy
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kabarettistin begeistert in Celle mit Gesang, Spiel und Comedy
16:12 09.10.2017
Sie muss nicht auf die Noten oder die Klaviatur schauen: Die Kabarettistin Lucy van Kuhl voll in ihrem Element. Quelle: Peter Bierschwale
Celle

Lucy van Kuhl (bürgerlich: Corinna Fuhrmann) ist sich dessen natürlich bewusst, was dem Publikum als erstes ins Auge fällt: ihre erstaunliche Körpergröße. In ihrem Begrüßungslied „Ich bin groß!“ kokettierte sie spöttisch damit: „Im Grunde ist das doch ganz schön“, sang sie. Aber dauernd müsse sie sich bücken, denn die Türen seien zu klein, Föns und Spiegel würden zu tief hängen: „Isch habe dauernd Rücken!“, meinte die gebürtige Kölnerin achselzuckend-ironisch.

Sie wohne im Prenzlauer Berg in Berlin, da sei vor einiger Zeit der Bio-Wahn ausgebrochen. Früher sei es üblich gewesen, sich ein knallbuntes Eis wie „Flutschfinger“ oder „Capri“ für wenig Geld zu holen. Heute gebe es in ihrem Viertel nur noch grünes „lactose-, gluten- und zuckerfreies Eis“, das außerdem auch noch „geschmackfrei“ sei, dafür aber 6,99 Euro koste.

Van Kuhl präsentierte sich bei ihrem Auftritt als souveräne und technisch versierte Pianistin. Während andere Musiker an ihren Noten oder der Klaviatur kleben, hatte van Kuhl weder Noten noch Liedertexte dabei. Trotz Klavierbegleitung und Gesang war die Kabarettistin immer wieder in der Lage, sich dem Publikum zuzuwenden, ohne die Musik zu vernachlässigen. Das brachte sie dem Publikum sehr nahe.

Ihre Begleitmusik enthielt kreative, lautmalerische Ideen, jedoch spielte sie technisch recht ökonomisch, um sich auf den Gesang und das Publikum konzentrieren zu können. Aber ihre Lieder enthielten meist auch Gesangspausen, in denen sie ihr spielerisches Können aufblitzen ließ. Das Publikum war begeistert, wenn sie dann Boogie-Woogie, Blues oder auch klassische Stücke anspielte. Auch ihre klare Stimme gefiel, leider fehlte der jegliches Vibrato. Aber das fiel kaum auf, besonders, wenn sie hinreißend krähte wie eine ordinäre Berliner Göre. Die Künstlerin sang viel Lustiges, aber auch besinnliche Texte. Früher habe man sich in der WG mit „Aldi-Wein“ begnügt, heute müsse es schon eine Kreuzfahrt mit Fünf-Sterne-Restaurants sein. Lucy von Kuhl unterscheidet sich von den meisten Liedermachern wohltuend, weil sie auch Vollblut-Musikerin ist.

Von Peter Bierschwale