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Celle Stadt Kahlschlag vor Neuanpflanzung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kahlschlag vor Neuanpflanzung
12:50 07.02.2012
Von Michael Ende
Baumf‰llarbeiten in der Schieblerstrafle Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

CELLE-HEHLENTOR. Einen "gedankenlosen" Frevel, für den "Schreibtischtäter", die über Baumleichen gingen, verantwortlich seien, wittert die stellvertretende Hehlentor-Ortsbürgermeisterin Nadin Bisewski in der Schieblerstraße, wo die Stadt gerade eine etwa 40 bis 60 Jahre alte Allee aus amerikanischen Gleditschien fällen lässt. Nicht ohne Parthos ordnet die Grünen-Stadtverbandsvorsitzende die Celler Aktion ein: "Wenn Bäume fallen, stehen Menschen auf, hieß es schon beim Protest gegen die Frankfurter Startbahn West, und dieser Satz wurde mit Stuttgart 21 wieder aktuell. Celle braucht eine solche Konfrontation nicht – Celle braucht seine Bäume."

Bisewski: "Als Grüne empört mich die Leichtigkeit, mit der in Celle Bäume gefällt werden, als stellvertretende Ortsbürgermeisterin bin ich schockiert, wie Celle mit seiner Geschichte umgeht." Denn durch die Fällung werde auch ein historischer Faden durchschnitten, so Bisewski: "Die Benennung der Schieblerstraße erfolgte aus einem historischen Bewusstsein heraus. Schiebler war das wohl renommierteste Gartenbauunternehmen Celles, dessen Gründer der Stadt Celle nicht nur die Kartoffel brachte und kultivierte. Viele erfolgreiche Züchtungen etablierte und vertrieb die Familie Schiebler weltweit und prägte die charakteristische Celler Garten- und Parkgestaltung. Ausgehend vom Hehlentor, über Tannenhorst bis nach Altenhagen und Vorwerk erstreckten sich die Flächen des Gartenbauunternehmens. Bevor das Unternehmen und die Flächen 1919 in den Besitz der Stadt Celle übergingen, soll die Familie noch die Bäume der Allee gepflanzt haben. Jetzt werden sie gefällt."

Und dies aus gutem Grund, wie der städtische Pressesprecher Wolfgang Fischer erläutert: "Die Bäume in der Schieblerstraße sind über die Jahre durch zahlreiche Leitungs- und Straßenbaumaßnahmen massiv geschädigt worden. Um sie vermeintlich zu schonen, hatte man immer um sie herum gebaut. Seither wurde mehrmals im Jahr Totholz geschnitten, was letztlich aber weder wirtschaftlich noch gestalterisch befriedigend war. Die Bäume hatten kaum noch eine Krone."

Vor zwei Jahren habe die Stadt begonnen - unter anderem dank einer großzügigen Spende aus der Privatwirtschaft -, die "schlimmsten Exemplare" sukzessive zu fällen und zu ersetzen, sagt Fischer: "Natürlich wurden dafür Bäume mit einem relativ hohen Alter ausgewählt. Dennoch war der Entwicklungsunterschied unübersehbar. Somit wurde entschieden, die letzten 24 Bäume in einem Zug zu fällen und auch zu ersetzen. Das ist zwar ein großer Eingriff, er bietet aber die Chance, einen einheitlichen und gesunden Baumbestand zu bekommen."

Man habe eine "Entscheidung für die Zukunft" getroffen, betont Fischer: "Um ein gestalterisch befriedigendes Ergebnis zu erzielen. Die Maßnahme war mit dem Ortsrat abgestimmt und findet offenbar auch allgemeine Zustimmung, worauf diverse Anrufe von Bürgern hinweisen.“