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Celle Stadt Kammermusikring-Konzert mit Birgit Remmert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kammermusikring-Konzert mit Birgit Remmert
09:36 05.11.2010
Die erfolgreiche Wagnersängerin Birgit Remmert konnte mit - Stefan Irmer am Klavier das Publikum überzeugen. Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Ein gewisses Risiko schien das 2. Abonnementskonzert des Celler Kammermusikrings mit einem Liederabend in der Residenzhalle in Hinsicht auf Akustik und Störgeräusche wohl doch zu sein. Je mehr Zuhörer man in der Pause danach befragte, desto unterschiedlicher waren die Antworten. Aber eines scheint unbestritten: die Techniker des Schlosstheaters haben fleißig gearbeitet und die lästigen Mängel sehr weitgehend beseitigt. „Nach unserem ersten Konzert habe ich mich schon nach Alternativen umgesehen,“ verrät Peter Schmid, Vorsitzender des Kammermusikrings, „aber mit den akustischen Verhältnissen, wie sie jetzt sind, kann ich gut leben.“ Die große Mehrheit im Publikum sah das wohl genauso: das Summen der Klimaanlage ist auf ein absolutes Minimum reduziert und der Rückbau des langen Laufsteges aus der Nibelungen-Inszenierung zur üblichen Guckkastenbühne lässt auch feinste Pianissimo-Ausgestaltungen ungeschmälert bis nach hinten dringen.

Mit vorwiegend verhaltenen Liedern von Brahms, Richard Strauss, Duparc und Mahler konnten Birgit Remmert (Alt) und ihr Klavierpartner Stefan Irmer das Publikum schnell in ihren Bann ziehen. Und wer Bedenken hatte, dass eine erfolgreiche Wagnersängerin bei den Bayreuther Festspielen auch eine gute Liedsängerin sein kann, wurde schnell eines Besseren belehrt. Birgit Remmert brauchte bei den Brahmsliedern zu Beginn zwar etwas Zeit, um sich in deren melancholische Gefühlswelt hineinzufinden, besitzt aber Erfahrung genug, um sich auf räumliche Gegebenheiten schnell einzustellen. Was sich bei der Naturschilderung des Brahmsliedes „Unbewegte laue Luft“ mit feinem, ausdrucksstarken Pianissimo und energischer Steigerung bereits andeutete, setzte sich eindrucksvoll bei den acht Liedern op. 10 von Richard Strauss ohne übertriebenes Pathos und mit glänzender Phrasierung fort. Ihren vollen stimmlichen Glanz entfaltete Birgit Remmert bei den vier Liedern aus „Des Knaben Wunderhorn“ von Gustav Mahler mit warmem Alt nicht nur in den Mittellagen der anrührenden Ballade „Wo die schönen Trompeten blasen“ , sondern mit komödiantischem Augenzwinkern auch im „Rheinlegendchen“ und im „Lob des hohen Verstandes“. Empfindsamkeit und farbenreiches Klavierspiel zeichneten Stefan Irmer als Begleiter am Klavier aus. Ein Partner, wie ihn sich eine Sängerin mit sensibler Kantabilität nur wünschen kann. Langer, zum Teil begeisterter Beifall am Schluss.

Von Hartmut Jakubowsky