Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Karlskrona: Ostsee-Juwel zum Verlieben
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Karlskrona: Ostsee-Juwel zum Verlieben
13:23 06.02.2015
Von Michael Ende
Barocke Musterstadt im Schären-Archipel auf mehr als 30 Inseln und Inselchen: Karlskrona wurde im 17. Jahrhundert am Reißbrett entworfen. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

Venedig hat eine kleine Schwester – eine schwedische kleine Schwester, die unter uns gesagt auch noch wohltuend skandinavisch-schlicht-frischer ist als die überkandidelt-verlebt-wuchtige Italienerin. Sie heißt Karlskrona. Der Name passt: Das Städtchen war bei seiner Gründung im Jahr 1679 in der Tat die Krone, die der schwedische König Karl XI. seinen Großmachtgelüsten aufsetzen wollte. Sein deutscher Admiral Hans Wachtmeister sollte hier im Schären-Archipel auf mehr als 30 Inseln und Inselchen einen idealen Flottenstützpunkt aus dem Boden stampfen, der seinesgleichen sucht. Der Plan ging auf: Hier entstand eine barocke Musterstadt vom Reißbrett, deren reizend durchdachter Charme noch heute jeden in den Bann schlägt.

Unter einem strahlend klaren Himmel wohnen hier 35.000 Menschen. Sie leben wie ganz normale Europäer. Dazu gehört zum Beispiel ein äußerst durchdachtes Parkgebührensystem mit mehreren Zonen, das der Pedant Wachtmeister nicht besser hätte ersinnen können. Dass hier deutsch-exakte Perfektion auf schwedisches Leben-und-leben-lassen trifft, merkt der Gast, wenn er mit den Parkautomaten nicht zurechtkommt und er einen Stoßseufzer gen Himmel schickt - auf dass alles gutgehen möge, auch wenn er kein Kleingeld hat. Denn es geht gut. Weil das hier Schweden ist.

Eine Sache, die überhaupt irgendwie auch gut gegangen ist, war der Kalte Krieg. Jedenfalls dachte man das kürzlich, als man das Marinemuseum in Karlskrona, in dem bereits seit 1752 absolut faszinierende Exponate rund um die christliche Seefahrt und ganz besonders um die einst glorreiche schwedische Kriegsmarine zusammengetragen werden, um seine neueste Attraktion reicher machte: Das 1980 in Dienst gestellte U-Boot „HMS Neptun“ war bereits ein Jahr später in ein dramatisches Weltereignis verwickelt, als das sowjetische U-Boot U 137 vor Karlskrona auf Grund lief. Zusammen mit anderen Marineeinheiten war die „HMS Neptun“ vor Ort, um das befürchtete Eindringen sowjetischer Außenposten in schwedische Gewässer zu verhindern. Heute ist die „Neptun“ ein begehbares Museumsstück zum Anfassen – Cold-war-Grusel inbegriffen.

Das von rund 1650 Schären umgebene Karlskrona ist die Sonnenschein-Hauptstadt Schwedens – und das immer wieder und jetzt schon seit drei Jahren hintereinander. Hier kann man den Sommer genießen – indem man die Inselwelt mit einem Picknickkorb im Gepäck durchstreift, mitten in der Stadt ein Bad im Stumholmen nimmt oder in der Morgendämmerung am Pier frischen Fisch direkt vom Kutter kauft. Karlskrona ist eine junge Stadt. Wer in ihr Leben eintauchen möchte, ist zum Beispiel mitten im Zentrum im Stay Apartment Hotel bestens aufgehoben. Von hier aus bieten sich Impressionen, die an Astrid Lindgrens „Karlsson vom Dach“ erinnern: Man muss es selbst sehen.

Karlskrona ist nur einen Katzensprung entfernt: Mit modernen Ostseefähren gelangt man schnell nach Schweden oder Dänemark – entweder ganz fix quasi „im Stehen“ auf kürzester Strecke von Puttgarden nach Rødby oder gemütlich-entspannt per Nacht-Überfahrt etwa von Travemünde nach Malmö.

Eins noch: Diese kleine Stadt, dieses verträumte, lebendige, historische, moderne Karlskrona ist übrigens Unesco-Weltkulturerbe. Eigentlich klar, oder?