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Celle Stadt Katharina Witerzens und Nick Lloyd bei „Kultur im Zelt“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Katharina Witerzens und Nick Lloyd bei „Kultur im Zelt“
14:01 30.08.2017
Katharina Witerzens nahm die Zuschauer bei ihrem Auftritt von „Kultur im Zelt“ mit auf eine Zeitreise durch die Welt der Jahrmärkte. Quelle: David Borghoff (3)
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Unter dem Motto „Kultur im Zelt“ kann so eine anspruchsvolle Veranstaltungsserie geboten werden. Vor rund 60 Be-suchern waren es jetzt im nicht ganz ausverkauften Kulturzelt die Celler Clownfrau und Maskenspielerin Katharina Witerzens und der Sänger und langjährige Musicaldarsteller Nick Lloyd, die zum ersten Mal gemeinsam auftraten und Ausschnitte aus ihrem jeweiligen Soloprogramm boten. Rund eine halbe Stunde Ausschnitte aus „Katharinas Schaubude“ und nach der Pause ebenso lange die „One Man Show“ von Nick Lloyd, dem Leiter von „Lloyd’s Musicalschule“ in Celle, kamen beim Publikum gut an und wurden mit entsprechendem Beifall bedacht.

Katharina Witerzens betritt die Bühne im Zelt fast ein wenig schüchtern und lässt dann ihren Blick neugierig über das Publikum schweifen. Ihr Minenspiel erzeugt dabei die ersten Lacher und führt schließlich in eine clownesk-poetische Zeitreise durch die Welt der Jahrmärkte. Die Schaubude, einst attraktionsgeladenes Herzstück des Jahrmarkts, ist die Kulisse für Katharina Witerzens Poesie und komischen Ideen. Hier zaubert die Clownfrau mit Lust und Verwandlungskunst eine entrückte Stimmung. Dabei erweckt sie die kleinwüchsige nd stimmgewaltige Prinzessin Perla ebenso wie die hässlichste Frau der Welt zum Leben. Auf offener Bühne wechselt sie die Kostüme und schminkt ihr Gesicht dezent und ohne jede Übertreibung zum weißen Clown mit rotem Mund. Das unter der Regie des früheren Roncalli-Clowns „Pello“ entstandene Stück wandelt zwischen Melancholie und überraschendem Witz, ist grotesk und frei von Schenkel-klopfern. Statt brüllendes Gelächter zu erzeugen, setzt Witerzens eher auf ein Schmunzeln im Publikum und überzeugt mit kleinen Zauberkunststückchen mit plötzlich entstehenden Knoten in einem Seil oder mit ihrer „Papierreißkunst“, die es ermöglicht, etwa aus einem Blatt Papier das Ohr von Prinz Charles oder verschiedene Palmenarten entstehen zu lassen. Das alles ist unterhaltsam und ansprechend, aber ohne jene Höhepunkte, die das Publikum mitreißen könnten.

Routiniert im Gesang zur Musik vom Band und mit seiner Ukulele spult nach der Pause der Sänger und Entertainer Nick Lloyd sein Programm mit einer Mischung aus Evergreens und Musical-Highlights ab. Songs und Hits von Frank Sinatra, Simon and Garfunkel oder Sammy Davis Jr. weiß er mit Ausdruck und feinem Timbre, dessen Stärken eher in den Mittellagen als in den Höhen zu liegen scheinen, vorzutragen. Kurze Zwischentexte mit freundlichen Komplimenten für das Publikum ergänzen seine Darbietungen. Und wenn die Stimmung im Publikum ein wenig abzusinken droht, dann hilft die Aufforderung, mitzuklatschen und mitzusingen oder gar eine Besucherin als Partnerin auf die Bühne zu bitten, immer. Die Fans ließen sich nicht lange bitten und machten engagiert mit. Insgesamt ein netter Abend mit guter Unterhaltung in angenehmer Atmosphäre, aber ohne größere künstlerische Höhepunkte.

Von Hartmut Jakubowsky